Schock nach Aus sitzt tief

Der siebenfache Triumphator war nur mehr ein Häufchen Elend. So hatte man Pete Sampras noch nie gesehen - schon gar nicht in Wimbledon. Gebückt, gebeutelt und "unglaublich enttäuscht" schlurfte der weltbeste Tennisspieler in Badeschlapfen durch die Katakomben des Center Courts an der Church Road. Der Schweiß kullerte wie dicke Tränen seine Wangen hinab - und tatsächlich war dem 29-Jährigen zum Weinen zumute.
"Ich bin total niedergeschlagen", sagte er mit leiser Stimme. "Es ist so enttäuschend, wirklich so enttäuschend. Vor allem, weil ich meine Chancen hatte. Aber Roger Federer hat ein unglaublich gutes Match gespielt. Er hat die wichtigen Punkte gemacht und verdient gewonnen." Selbst in der bittersten Stunde seiner Karriere machte er seinem Ruf als Gentleman alle Ehre. Nach 31 Siegen in Serie in Wimbledon hatte er am Montag eine der schlimmsten Niederlagen zu verdauen. Vorbei war die Hoffnung, zum achten Mal auf dem "Heiligen Rasen" zu triumphieren, vorbei auch die Hoffnung, gegen den 19-jährigen Schweizer, der bei der CA-Trophy in Wien (6.-14.10.) zu sehen sein wird, den 100. Sieg auf Gras feiern zu können.
Kein Abschied für immer
Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. "Okay, ich habe verloren. Aber warum sollte ich nicht noch einmal hier gewinnen können?" fragte Sampras nach seiner ersten Fünf-Satz-Niederlage im Tennis-Mekka. "Es gibt überhaupt keinen Grund dafür. Ich will hier noch viele Jahre antreten, weil es mir Spaß macht. Dafür spiele ich." Aber der Schock saß sichtlich tief, denn Federer stieß mit diesem Sieg "ein Monument vom Sockel", wie es die Sportinformation Zürich treffend ausdrückte.
Pressestimmen
"Der König hat seine Krone verloren", schrieb am Dienstag der "Daily Telegraph". Die "Times" riet, "den 2. Juli 2001 ganz dick im Notizbuch anzustreichen", als Tag des Endes einer Ära. Und die "Daily Mail" meinte: "Erst brach Federer Sampras' Aufschlag und dann seinen Willen." Aber eins fiel auf: Selbst auf dem Boulevard erntete er nach seiner "Schock-Niederlage" ("Daily Mail") weder Hohn noch Spott.
Sampras' große Zeit ist vorbei. Das lässt sich nicht leugnen, auch wenn der 13fache Grand-Slam-Rekordsieger, der so früh zuletzt 1992 ausgeschieden war, noch nicht zugeben mag, auf dem absteigenden Ast zu sein. Sein hart erkämpfter Fünf-Satz-Sieg gegen den zweitklassigen Briten Barry Cowan war ein erster Beleg: "Ich habe hier über die Jahre so viel Glück gehabt, da musste es auch mal anders kommen."
Federer gehört die Zukunft
Der "Zukunft des Tennis" oder anders ausgedrückt, einem seiner möglichen Nachfolger, blickte Sampras an diesem denkwürdigen Achtelfinal-Montag bei den 115. All England Championships über das Netz in die Augen. Roger Federer, der 19-jährige, Zopf tragende Teenager aus der Schweiz, zeigte bei seinem Center-Court-Debüt keine Nerven und schlug "Pete Perfect" mit dessen Waffen: Der Mann aus Florida hatte manchmal den Eindruck, als spiele er gegen den jungen Sampras. Keine Regung zeigte der einst heißblütige Youngster. Das Höchste der Gefühle war ein kurzes Lächeln bei einem spektakulären Return. Erst nach dem größten Triumph seiner Karriere ließ er seinen Gefühlen freien Lauf und weinte vor Freude.
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