Dienstag, 3. Juli 2001

Präsident Wurm: "Wir sind die Außenseiter"

Die Chrysler Vikings stehen vor ihrem größten Beutezug: Der österreichische Meister im American Football bestreitet am Samstag (17:30 Uhr) auf der Hohen Warte das Finale um die Eurobowl gegen Titelverteidiger Bergamo Lions.

"Das ist ungefähr so, als ob sich ein österreichischer Fußball-Klub für ein europäisches Endspiel qualifiziert", sagt Vikings-Präsident Karl Wurm, sieht seine Mannschaft aber als krassen Außenseiter. "Die Italiener sind natürlich klarer Favorit, in deren Reihen stehen zahlreiche Ex-NFL-Spieler", erklärte Wurm.

Den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte, als erste österreichische Mannschaft ins Finale der höchsten europäischen Amateur-Liga einzuziehen, führt Wurm auch auf die erfolgreiche Nachwuchsarbeit zurück. "Wir haben uns 'Less Americans, more Austrians' auf die Fahnen geheftet. Wir wollen mit dem Know-How von amerikanischen Trainern, aber mit österreichischen Spielern arbeiten. Und immerhin haben wir mehr Nachwuchsspieler als Rapid und Austria", meinte Wurm.

Football in Österreich: Reich wird man nicht ...
Das Erfolgsgeheimnis der "Wikinger", die über ein Budget von vier bis fünf Millionen S verfügen, scheint auch in der großen Portion Idealismus zu liegen, mit der sie ihren Sport betreiben. Gehälter und Prämien werden keine ausgezahlt, die Spieler müssen sogar den jährlichen Mitgliedsbeitrag von 2.000 S plus 400 S für die Versicherung selbst berappen. Die US-Legionäre sind bei Gastfamilien untergebracht, bekommen Quartier, Kost, Tickets für die Wiener Linien sowie ein kleines "Taschengeld" zur Verfügung gestellt und ersparen sich den Mitgliedsbeitrag. Selbst bei einem Sieg am Samstag bekämen die Spieler keinen Schilling Extra-Prämie.

Vikings: Österreichs Maß aller Dinge goes Europe
Seit drei Jahren sind die Vikings in Österreich unbesiegt, die letzte Niederlage auf europäischer Ebene datiert vom 20. Mai des Vorjahres im Eurobowl-Viertelfinale in Hamburg gegen die Blue Devils.

Lions-Head-Coach Carlos Humberto Barocio-Leon zeigte Respekt vor den Wienern. "Ich habe sie in diesem Jahr drei Mal gesehen und jedes Mal haben sie eine exzellente Mannschaftsleistung geboten. Sie haben eine aggressive Verteidigung und einen explosiven Angriff. Wenn wir sie schlagen wollen, müssen wir eine perfekte Partie spielen", erklärte Barocio-Leon, der vor allem auf seinen Superstar, Running Back Tyrone Rush, setzt.

Ordentliche Vorbereitung abseits des Spielbetriebs
Tatsächlich setzten die Wiener einiges in Bewegung. So wird die Hohe Warte endlich von dem gröbsten Wildwuchs befreit, eine neue Anzeigetafel wird eigens aus den USA eingeflogen, und Manager Alfred Neugebauer kümmerte sich mit 15 weiteren ehrenamtlichen Funktionären eigenhändig um die Sanierung des Kabinentraktes. Die freiwilligen Helfer verpassten den beschmutzten Wänden einen neuen Anstrich und beschafften neue Teppiche.

3.7.2001 14:14