Samstag, 7. Juli 2001

Brandstätter im FORMAT-Interview

Helmut Brandstätter, Chef des Nachrichtensenders n-tv und Ex-ORF-Star über die Ambition, ORF-General zu werden, Interventionen und seine Privatfernsehpläne für Österreich.

FORMAT: In Österreich haben ORF und Politiker einen ORF-Krieg ausgerufen. Wie sehen Sie den immer heftigeren Streit um die Zukunft des Senders?
BRANDSTÄTTER: Ich bin wirklich betroffen, vor allem über den Begriff Krieg. Auseinandersetzungen zwischen Politik und ORF hat es immer gegeben, ich halte das sogar für notwendig. Aber daß jetzt mit Drohungen gearbeitet wird, ist äußerst unerfreulich. Sogar der Bundespräsident hat Sorge geäußert. Aber das ist zuwenig.

FORMAT: Sie sind jetzt vier Jahre in Berlin. Wie verpolitisiert war der ORF bei Ihrem Abgang?
BRANDSTÄTTER: Wenn es in einem Land nur einen Sender gibt, muß sich das Interesse der Politik auf ihn konzentrieren. Das war immer so. Natürlich war es auch damals Usus, daß Parteien versucht haben, ihre Leute im ORF unterzubringen. Wir haben uns sehr oft gewundert, wie schnell es nach internen Sitzungen erste Rückmeldungen aus den Parteizentralen gab. Es ist schon sehr sonderbar, wenn sich da einige Redakteure als Delegierte politischer Parteien verstehen.

FORMAT: Warum wird die journalistische Unabhängigkeit von der ORF-Führung nicht mehr garantiert?
BRANDSTÄTTER: Da müssen Sie die ORF-Führung fragen. Manchmal habe ich den Eindruck, daß das neue Gesetz vorsehen müßte, daß Generaldirektoren nicht wiedergewählt werden dürfen. Wäre das nämlich der Fall, müßte keiner auf seine Wiederwahl schauen, sondern sich einzig auf seinen Job konzentrieren

FORMAT: Im Herbst soll der neue ORF-Generaldirektor gewählt werden. Haben Sie Interesse? BRANDSTÄTTER: Die Gerüchte, mit mir sei darüber gesprochen worden, sind falsch. Ich finde es im Moment auch viel interessanter, wer im künftigen Stiftungsrat sitzt, wer dessen Vorsitz übernimmt. Wenn das klar ist, wird man ermessen können, ob das neue Gesetz wirklich die Unabhängigkeit des ORF gewährleisten kann. Nur wenn das der Fall ist, wird sich ein guter Kandidat für den Generalsposten finden.

FORMAT:Es gibt Gerüchte, daß n-tv dem ORF schon bald Konkurrenz machen könnte. Was planen Sie?
BRANDSTÄTTER: Der ORF braucht Konkurrenz, und ein bißchen haben wir ja schon dafür gesorgt. n-tv war früher als der ORF über die Katastrophe von Kaprun informiert und schneller. Bei der Angelobung der schwarz-blauen Koalitionsregierung sind wir nicht ausgestiegen, sondern auf Sendung geblieben. Auch da waren wir schneller und besser.

Das gesamte Interview finden Sie im aktuellen FORMAT.

7.7.2001 18:23