Samstag, 7. Juli 2001

Eberharter will Partei mit "neuen Leuten" weiterführen

Der seit Monaten schwelende Konflikt in der Tiroler FP hat seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Vier Abgeordnete des Landtagsklubs haben ihrem Parteiobmann, LAbg. Christian Eberharter (Bild), die Gefolgschaft aufgekündigt. Der Parteichef bedauerte diesen Schritt am Samstag in einer ersten Stellungnahme.

Er habe die Partei "sehr gut im Griff" und wolle sie mit "neuen Leuten" weiterführen.

In einem Brief an den Parteiobmann sowie an alle Mitglieder des Landesparteivorstandes vom Freitag sollen vier der sieben freiheitlichen Landtagsabgeordneten die Erklärung abgegeben haben, ihre "Funktionen in der Landespartei mit sofortiger Wirkung ruhend" zu stellen, hieß es in der Samstagausgabe der "Tiroler Tageszeitung". "Darüber hinausgehende Schritte behalten wir uns ausdrücklich vor", hätten Klubobmann Hannes Lugger, Franz Linser, Ingo Appelt und Dietmar Hofreiter weiters betont. Gründe für den Protest gegen Eberharter seien letztendlich der "peinliche Zukunftsparteitag" vor einer Woche und eine "Reihe von parteiinternen Vorgängen" gewesen. Weiters sollen die Abgeordneten ihrem Parteiobmann in dem Schreiben "Akademikerfeindlichkeit" vorgeworfen haben.

Zu diesem Brief wollte Eberharter vorerst keine nähere Erklärung abgeben. "Ich habe das Schreiben vor mir liegen und werde es in Ruhe durchlesen", sagte der Parteiobmann dazu. Von einem Vertrauensentzug könne man aber nicht sprechen, denn "wo kein Vertrauen ist, kann man auch keines entziehen". Und dieses hätten ihm die vier Klubmitglieder seit Beginn seiner Obmannschaft nicht entgegengebracht. "Gewisse Herrschaften" würden mit diesem Schritt "ihren wahren Charakter zeigen", teilte Eberharter mit.

Ihm persönlich sei es trotz diesen Umständen "noch nie so gut gegangen wie jetzt" und er sei "sehr zufrieden", betonte der Parteichef. Es sei zwar "schade, wenn jemand seine Arbeit ruhend stellt", aber wenn "jemand in Pension geht, wird der Betrieb deshalb auch nicht eingehen". Auch wenn derzeit in der Partei "inhaltlich nichts" weitergehe, laufe der "Betrieb sehr gut". Ihm, Eberharter, seien im Moment "die Hände gebunden".

Mit den vier Klubmitgliedern wolle er auf jeden Fall Gespräche führen, ob sie sich auch politisch zürückziehen und ihr Mandat abgeben wollen. Er akzeptiere deren Entscheidung und habe "nach wie vor Vertrauen in die Abgeordneten", betonte Eberharter. Die Partei müsse sich jetzt aber "personell verändern". Am kommenden Donnerstag wolle er im Rahmen einer Pressekonferenz "eine abschließende Erklärung" abgeben, erklärte der Parteichef.

Der erst im Mai vergangenen Jahres neu gewählte FP-Obmann Eberharter war in den vergangenen Monaten wiederholt parteiintern kritisiert worden. Ihm waren fehlende Strategien vorgeworfen worden. Diese wollte er den Parteifunktionären am vergangenen Samstag auf einem sogenannten Zukunftskongress der Tiroler Freiheitlichen präsentieren. Von den rund 4.600 Parteimitgliedern war aber nur ein Bruchteil der Einladung zum Generalrat über die Zukunft des Landes gefolgt.

7.7.2001 16:19