Donnerstag, 5. Juli 2001

Grazer nahmen Streik großteils gelassen

Eine Betriebsversammlung von rund 1.000 Bediensteten der Grazer Verkehrsbetriebe hat heute Mittag zum Stillstand von Bussen und Straßenbahnen geführt. Die Protestmaßnahmen haben jedoch keine größeren Verkehrsbehinderungen ausgelöst.

Die Bevölkerung nahm den Anlass des Streiks, der im Kern auf eine Stunde angesetzt war, großteils gelassen. Die Stadtwerke-Bediensteten wollten mit dieser Aktion vor der Donnerstag Nachmittag stattfindenden Sondersitzung des Gemeinderats auf die ihrer Meinung nach ungelösten Probleme bei der anstehenden Teilprivatisierung hinweisen.

Zwei Tage lang war in Graz intensiv auf die bevorstehenden Maßnahmen aufmerksam gemacht worden, Stadtwerke-Zentralbetriebsrat Horst Schachner hatte ausdrücklich um Verständnis dafür geworben, dass ab 11.30 Uhr nach der Reihe Busse und Straßenbahnen "eingezogen" wurden. Um 13.00 Uhr war eine Betriebsversammlung in der Remise Steyrergasse angesetzt, wo Belegschaftsvertreter aus ihrer Sicht über die Folgen des von der Grazer FPÖ und ÖVP forcierten Teilverkaufs der Stadtwerke berichteten: Die Politik erhofft sich aus dem Verkauf einen Erlös von rund 6 Mrd. S (436 Mill. Euro). Über den konkreten Auftrag, Käufer zu suchen, wurde Donnerstag Nachmittag im Gemeinderat beraten. Die Bediensteten des - defizitären - Öffentlichen Verkehrs befürchten, bei der anstehenden Teilprivatisierung des Energiebereichs der Stadtwerke an etwaige ausländische Investoren auf der Strecke zu bleiben.

Das Verkehrsbetriebe-Management hatte insgesamt 23 Busse für den Schienenersatzverkehr organisiert, um wenigstens einen Notbetrieb aufrecht halten zu können. Die Grazer Bevölkerung dürfte sich auf die Situation weitgehend eingestellt haben: Auf der Grazer Hauptverkehrsdrehscheibe, dem Jakominiplatz, sah man nur wenige Wartende, ebenso im gesamten Innenstadt-Bereich. Bereits am Vormittag waren Straßenbahn-Linien auffallend weniger stark frequentiert gewesen.

Im Innenstadt-Bereich kam es weder zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen noch gar zu den vorab prognostizierten Mega-Staus. Von Passanten war auf Befragen zu erfahren, dass sich die meisten mit länger dauernden Einkaufstouren oder Arztbesuchen auf die Situation eingestellt hatten.

Bei der ebenfalls am Donnerstag abgehaltenen Vollversammlung der steirischen Arbeiterkammer wurde eine Dringliche Resolution gegen den Stadtwerke-Verkauf beschlossen. "Die AK unterstützt jede Initiative, die darauf abzielt, einen Verkauf zu verhindern, wie beispielsweise die Einleitung einer Volksbefragung", hieß es in der Resolution.

5.7.2001 16:41