Donnerstag, 5. Juli 2001

Österreich-Fest mit 600 Gästen

Im Rahmen eines Festaktes im Beisein von Bundespräsident Thomas Klestil ist die neue österreichische Botschaft in Berlin eröffnet worden. Klestil sprach in seiner Eröffnungsansprache von einer "Relaisstation des vertrauensvollen Dialogs und der Begegnung im größeren gemeinsamen Europa".

Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (V) sprach von einem "Markstein in der Intensivierung der Beziehungen zwischen Österreich und Deutschland".

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne), der ebenfalls gekommen war, um der - wie er sagte - "Casa Austria" die Ehre zu erweisen, freute sich, dass die neue österreichische Vertretung - die während der Zwischenkriegszeit nur wenige Meter entfernt situiert gewesen war - "nach 60 Jahren wieder an ihren historischen Platz zurückgekehrt ist" und wollte angesichts des strahlend blauen Himmels und der vorangegangenen Mozart-Darbietung die bilateralen Beziehungen von keinerlei atmosphärischer Störung mehr getrübt sehen.

Bundespräsident Klestil betonte die historischen und kulturellen Berührungspunkte zwischen den beiden Staaten, aber auch deren gemeinsame politische und wirtschaftliche Interessen, vor allem "das gemeinsame Ziel eines geeinten Europas, das schon bald auch jene Staaten umfassen wird, denen eine tragische Geschichte eine frühere Teilnahme am europäischen Einigungswerk versagt hat." Die neue Botschaft stehe "für das neue und weltoffene Österreich, das sich den Herausforderungen der Zeit stellt und mit Zuversicht in die gemeinsame europäische Zukunft blickt."

In ähnlichem Sinn wie der österreichische Botschafter in Berlin, Markus Lutterotti, der in Zusammenhang mit der vom österreichischen Stararchitekten Hans Hollein geplanten Botschaft von einem "eindrucksvollen Beispiel österreichischer Architektur" gesprochen hatte, das es nun "mit Leben zu erfüllen" gelte, zitierte die Außenministerin sinngemäß Christian Morgenstern: "Zeige mir, wie Du baust und ich sage Dir, wer Du bist." In diesem Sinn sei das neue Gebäude ein "Symbol für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und Deutschland."

Der deutsche Bundespräsident Johannes Rau gab in einem Interview zu, dass es in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern "einige kleine Kratzer" gegeben habe, die nun poliert werden müssten. Dies sei aber "nicht wichtig", erklärte Rau und betonte stattdessen die "Brüderlichkeit" zwischen beiden Ländern. "Brüder kennen sich sehr gut und gehen sich manchmal auch auf den Wecker, aber es sind immer doch Brüder", sagte der deutsche Bundespräsident mit Hinweis auf die große symbolische Bedeutung von Brüdern schon in der Bibel.

5.7.2001 15:05