Mittwoch, 4. Juli 2001

US-Feiertage zwischen Kommerz und Besinnung

Böllerschüsse und Paraden, Marschmusik und Straßenfeste, Hot Dogs und Bier, Feuerwerke und vor allem viele, viele Fahnen - das ist der Nationalfeiertag "4th of July" für die Amerikaner.

Die Stars-and-Stripes in leuchtendem Rot, Weiß und Blau flattern vor Schulen oder Banken und auch vor Millionen Wohnhäusern. Denn US-Bürger lieben ihre Fahne, auch wenn es manchmal nur ein paar Papierfähnchen sind, die an diesem nationalen Tag im Rasen des Vorgartens stecken.

Auf die Frage, warum denn der 4. Juli begangen werde, antwortet die zehn Jahre alte Schülerin Kelly: "Da feiern die USA ihren Geburtstag, die Unabhängigkeit." Doch mehr will man über die Ereignisse im Jahre 1776 oft nicht hören. In den USA sind die Feiertage eine bunte Mischung aus Patriotismus und Kommerz. Ob der Memorial Day Ende Mai oder der Labor Day Anfang September, der Presidents Day im Februar, der Columbus Day im Oktober oder eben beim 4. Juli - die Feiertage bieten der Bevölkerung die Chance auf ein langes Wochenende und dem Handel eine landesweite Verkaufsaktion.

Für "Sales" mit Sonderangeboten sind viele Geschäfte und Einkaufszentren von morgens sechs Uhr bis spät abends geöffnet. Statt Feiertagsruhe herrscht hektische Schlussverkaufsatmosphäre. Die Sonderangebote zum "4th of July" begannen oft bereits am vergangenen Freitag. Das lange Wochenende des Thanksgiving-Festes Ende November wird der Startschuss für das Weihnachtsgeschäft sein.

Feiertage liegen zumeist auf dem Montag und bieten den Amerikanern damit auch die Chance für einen Kurzurlaub. Beim Jahresurlaub gehören die US-Bürger weltweit zu den Schlusslichtern. In vielen Jobs beginnt er mit einer Woche und nimmt dann langsam zu, mehrwöchige Urlaubsreisen sind selten. Daher sind die Amerikaner Meister darin, in wenigen Tagen möglichst viel zu unternehmen. Die beliebtesten Ziele sind Las Vegas, Florida und die Karibik und im Winter die Rocky Mountains zum Skifahren.

So ist auch der diesjährige "4th of July" ein Mittwoch zum Reisen oder Ausruhen, für Partys und zum Einkaufen. Die schmucken Vorstädte sind noch etwas gepflegter als üblich. "Wir haben dieses Jahr auch eine Fahne vor dem Haus", sagt die Texanerin Kelly stolz, die am Morgen jedes Schultages wie alle anderen US-Kinder mit der Hand auf dem Herzen auf diese Fahne schwört. In den USA gibt es einen unbekümmerten Nationalstolz. "Dies ist ein gutes Land", sagt sie.

4.7.2001 08:18