Startschuss für Probelauf des neuen Curriculums

Mit Beginn der Inskriptionsfrist an der Universität Wien ist am Montag auch der Startschuss für eine komplette Neustrukturierung des Medizinstudiums gefallen. Neben dem bisher geltenden Studienplan können Studenten in einem Probelauf auch das neue "Medizincurriculum Wien" wählen, das ab dem Studienjahr 2002/2003 verpflichtend für alle Studienanfänger implementiert werden soll.
Der am 28. Juni offiziell beschlossene neue Studienplan sieht als einen der Kernpunkte vor, dass ab dem 3. Semester die Zahl der Ausbildungsplätze mit 570 begrenzt ist, so Dekan Wolfgang Schütz.
Das neue Medizinstudium bringt vor allem ein Aufbrechen des traditionellen Fächerkanons und der althergebrachten Prüfungsordnung. Die Zahl der Prüfungen mit Entscheidungscharakter (summative integrierte Prüfungen) wird massiv auf vier reduziert, für den Aufstieg in den nächsten Abschnitt ist der positive Abschluss des vorhergehenden Abschnitts notwendig. Daneben soll es so genannte "formative integrierte Prüfungen" geben, denen sich die Studenten am Ende jedes Semesters stellen müssen, deren positive Absolvierung allerdings nicht nötig ist. Außerdem ist das Verfassen einer Diplomarbeit obligatorisch.
Der Unterricht wird vermehrt von "Fächern" in Richtung "Fälle" umgestellt und bringt für die Studenten mehr Praxisbezug und wesentlich früheren Kontakt zu den Patienten. Gelernt wird stark praxisorientiert und im Team in Kleingruppen, wodurch die Studierenden besser auf den "klinischen Alltag" vorbereitet werden sollen.
Nur 570 steigen auf
Für den zweiten Abschnitt gibt es eine Zugangsregelung, denn ab Beginn des dritten Semesters bis zum Studienende steht nur eine beschränkte Zahl an Plätzen für die Lehrveranstaltungen zu Verfügung. Nur die besten 570 Studenten nach dem ersten Abschnitt können "aufsteigen", dem Rest wird ein Platz im darauffolgenden Studienjahr garantiert. In der Zwischenzeit können sie freie Wahlfächer sowie ein eigens angebotenes Modul absolvieren. Durchaus bewusst ist Schütz, dass es bei diesem System eventuell zu einem "Rückstau" an Studenten kommen könnte. Allerdings sei durch die Einführung von Studiengebühren auch ein Rückgang der Studenten möglich, außerdem würden auch nicht alle Studienanfänger gleich nach zwei Semestern zur ersten summativen integrierten Prüfung antreten.
40 Millionen Mehrkosten
Wenn das Bildungsministerium den neuen Studienplan nicht untersagt, bedeute dies das Ende des alten Curriculums nach genau 100 Jahren, betonte Schütz. Bis zur vollständigen Implementierung in sechs Jahren würden Mehrkosten von insgesamt 40 Millionen Schilling anfallen, die als Budgeterhöhung vom Ministerium kommen sollen. Nötig sind die höheren Mittel vor allem wegen der kostenintensiven Betreuung der Studenten in Kleingruppen, im bisher unterrepräsentierten klinischen Abschnitt müssten neue Lehraufträge vergeben werden.
Vorerst können ab Herbst 150 Studenten das neue Curriculum testen. Sollten mehr dafür optieren, wird ausgelost. 85 Prozent der Plätze gehen an Neuinskribenten, der Rest an bereits Studierende. Schütz rechnet dabei mit einer "Überbuchung" - obwohl das neue Medizinstudium sicher etwas schwieriger werde. Die Prüfungen würden einen größeren Umfang haben, allein die "zweite summative integrative Prüfung" werde den Stoff aus fünf Semestern umfassen.
Derzeit beträgt die durchschnittliche Studiendauer 18 Semester. Jährlich beginnen zwischen 1.200 und 1.400 Maturanten ein Medizinstudium in Wien, rund 690 schließen ihre Ausbildung ab. Daher wollen Schütz und Studienkommissions-Vorsitzender Rudolf Mallinger die Drop-Out-Rate "möglichst nach vorne verlegen".
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