Miese Verpflegung entlang Europas Straßen

Traurig, aber wahr: Europas Raststätten sind noch nicht besser geworden. Fielen anno 2000 etwa 35 Prozent aller getesteten Betriebe durch, so waren es im aktuellen Test 2001 von ÖAMTC und ADAC sogar knapp 36 Prozent. Winziges Trostpflaster: Einzig in Österreich gab es kein "mangelhaft".
Getestet wurde während der Ostertage, als in den Raststätten Hochbetrieb herrschte. Die Testkandidaten waren Betriebe in neun europäischen Ländern:
England, Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland, Schweiz, Österreich, Italien und Spanien.
Sie sollten entlang der wichtigsten europäischen Autobahnen in Ost-West-Richtung liegen, nachdem die Raststätten an den Nord-Süd-Autobahnen schon in vergangenen Tests geprüft worden waren. Die Tester waren mindestens zweimal in der gleichen Raststätte, um Zufälle auszuschließen.
Kein einziges "Sehr gut"!
"Das Ergebnis des Tests war leider nicht zufriedenstellend: Nur 19 Raststätten bekamen die Bewertung 'gut', 42 schnitten mit 'ausreichend' ab, 31 Mal gab es 'mangelhaft' und 3 Mal sogar 'sehr mangelhaft'. Die Bestnote 'sehr gut' konnte gar nicht vergeben werden", resümiert ÖAMTC-Testexperte Willy Matzke.
Nur um 0,12 Prozent der möglichen Punkte verfehlt wurde diese Bestnote allerdings vom französischen Testsieger "Corbières Nord" an der A61 zwischen Narbonne und Toulouse. Die rote Laterne mit dem schlechtesten Ergebnis im Test hält "Gonars Nord" in Italien auf der A4 bei Triest.
Beste deutsche Raststätte und europaweit an dritter Stelle ist "Sindelfinger Wald Süd" an der A81 bei Stuttgart. Das deutsche Schlusslicht bildet "Haidt Süd" an der A3 bei Würzburg.
Im Ländervergleich siegt Frankreich
Im Ländervergleich schnitt Frankreich am besten ab, gefolgt von Deutschland und Österreich, dem einzigen Land, in dem keine einzige Raststätte im Test durchfiel. Danach das Mittelfeld mit der heuer enttäuschenden Schweiz und Spanien. Die magersten Ergebnisse gab es in Belgien, den Niederlanden, in England und Italien.
Hauptkritik: Stinkende Toiletten
Die auffallendsten Kritikpunkte waren: Häufig viel zu schlechte Hygiene in den sanitären Anlagen, gewaltige Preisunterschiede bei vergleichbaren Produkten vor allem im Shop und in der Gastronomie, verkehrsunsichere Außenanlagen, zu wenig Umweltbewusstsein, schlechte Beschilderung und nur selten Verkehrsinformationen für die Autofahrer. Trost für alle Hungrigen und Durstigen: Fast überall war die Qualität der Küche zumindest ausreichend.
Österreich punktet mit gutem Essen
Mit der größtenteils recht guten Küche hat sich Österreich auch aus der Affäre gezogen. Geprüft wurden praktisch alle gut zugänglichen großen Raststätten an der Westautobahn, also keine kleinen Bistros bei Tankstellen. "Mondsee" war schon im vorigen Jahr dran, ist guter Durchschnitt und heuer leider durch eine Großbaustelle zwar voll anfahrbar, aber nicht wirklich gut zugänglich. Dafür gibt es hier einen eigenen Badestrand der Autobahnverwaltung am See, was einmalig in Europa ist.
Österreich-Sieger: Strengberg
Gute Raststätten müssen stressfrei sein, damit Erholung greifen kann. "Strengberg" hat unter anderem auch deshalb gewonnen, weil dort die Passagiere der Autobusse problemlos ins Rasthaus können, ohne gefährliche Verkehrsflächen überqueren zu müssen - für Kinder, ältere Menschen oder Nichtautofahrer ein deutlicher Sicherheitsgewinn. Außerdem ist die Einfahrt im Zuge das Autobahnneubaues verbessert worden. Wünschenswert wären aber noch Sitzgelegenheiten am Parkplatz-Areal. Positiv bemerkten die ÖAMTC-Tester, dass es viel Videoüberwachung in Außenbereichen gibt. Negativ fiel auf, dass die Shops mit viel Ramsch überhäuft sind, Notwendiges wie Windeln, Taschentücher und andere Hygieneartikel aber nicht angeboten wird. Die Preise sind eher überdurchschnittlich hoch. Dafür gibt es vielfach leichte Kost für Autofahrer. Moderne Kommunikationsterminals mit Fax oder Internet sucht man leider vergeblich, auch Telefone sind gut versteckt - und teuer. Unschlagbar ist die Freundlichkeit des Personals und die Hilfsbereitschaft.
Neues Konzept für Österreichs Raststätten
"Generell halten sich die Raststätten an der A1 recht gut, bestehen aber den Vergleich mit Frankreich nicht. Das weiß man auch bei der ASFINAG und hat bereits begonnen, ein besseres Raststättenkonzept umzusetzen", berichtet ÖAMTC-Experte Matzke. So wird etwa bei St. Pölten derzeit Österreichs erster großer Rasthof gebaut, wo auch für große Brummer viel Platz und Komfort umgesetzt wird.
Aus Sicherheitsgründen werden viele alte Parkplätze als reine Notfall-Pannenplätze deklariert, man sollte daher aus Sicherheitsgründen auf unbeleuchteten Parkplätzen nachts nicht stehen bleiben.
In Zukunft soll es zwischen jeweils zwei großen Raststätten einen Schwerpunktparkplatz geben: Beleuchtung, gute Toiletten, Videoüberwachung, heißer Draht zur Gendarmerie, ein kleiner Buffetbetrieb für den raschen Hunger und damit personelle Überwachung sollen die Sicherheit im Gastland Österreich sichern. Ein mutiger Versuch, denn in vielen Ländern gibt es wegen steigender Kriminalität überhaupt keine öffentlichen Parkplätze mehr.
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