Über 40.000 österreichische Fans rockten im Prateroval

Bon Jovi sind ein Phänomen: Obwohl sich die Band seit Jahren musikalisch im Kreis bewegt, gelingt es ihr immer wieder, Charts zu stürmen und Massen zu den Konzerten zu locken. In Wien strömten Freitag Abend mehr als 40.000 Fans in das Prateroval, um die Gruppe zu bejubeln. Diese dankte mit einer rund zweieinhalb Stunden dauernden Show, die zurück in die Achtziger führte.
Als ob die Zeit stehen geblieben wäre, zelebrierten Bon Jovi US-Stadionrock mit Posen und Songs aus jenen Jahren, als Föhnfrisuren und Cowboystiefel der letzte Schrei waren. Trotzdem oder gerade deshalb machte die Darbietung Spaß.
Der Bühnenaufbau in Form eines Wolkenkratzers, der über das Dach des Ernst-Happel-Stadions hinausragte, passte zum Status der Formation: Die Herrschaften sind längst "larger than life". Sie dürfen Sonnenbrillen und Jeansjacken tragen, sich Hüte tief ins Gesicht ziehen und Sprüche klopfen wie "I'm here in the name of love" oder die "Church of Rock'n'Roll" beschwören - Retro als Qualitätsmerkmal. Dass sich Bon Jovi mit ihren bisher letzten Erfolgen wie "It's My Life" zurück zum Stil der ersten großen Hits ("You Give Love A Bad Name" etc.) bewegten, stört ja auch niemanden.
Eine wilde Nacht in Wien
"One Wild Night" heißt nicht ohne Grund das Motto der Tour und der Opener der Show. Das Publikum soll sich unterhalten und sich im Jahrtausend der Schnelllebigkeit an ewig jungen Gassenhauern erfreuen, die vermutlich auch in ferner Zukunft den Soundtrack zu unzähligen Partys abgeben werden. Die bei der Anreise geäußerte Vermutung eines Fans - "Am Anfang spüns eh nur des Klumpert, des kana kennt, und am Schluss kumman erst die Hits", erwies sich als falsch. Wie ein "Best Of" gestaltete sich das Programm, gab es doch ein Live-Album mit Mitschnitten von 1985 bis 2001 zu promoten.
Bei den ersten Zugaben schien Bon Jovi die Luft auszugehen, doch ein gefeiertes "Livin' On A Prayer" machte das langweilige "Keep The Faith" und uninspirierte "Someday I'll Be Saturday Night" wieder wett. Zum Glück beschränkte man sich auf wenige Balladen, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall war. Selbst wenn die Band in stumpfen Schunkelsound verfiel, machte das fantastische Publikum die Darbietung zum Ereignis.
Bon Jovi begeistern mit Lausbubencharme
Es ist egal, dass der Wolkenkratzer letztendlich lediglich als Blinklichtträger und Abschussrampe für Feuerwerkskörper diente. Wen kümmert die Banalität der Soli, wer hinterfragt den Sinn von Textzeilen wie "Your love is like bad medicine". Hauptsache, es stehen sogar die Besucher auf der Golden-VIP-Tribüne (Kartenpreis: 2.500 Schilling!) geschlossen mit den Händen in der Höhe vor ihren Sitzen. It's only Rock'n'Roll - ohne Tiefgang, aber mit Spielfreude und Lausbubencharme.
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