Sonntag, 1. Juli 2001

Thema Geburtstagsshow: "Zu schlechte Drehbücher"

Am gestrigen 30. Juni feierte Peter Alexander seinen 75. Geburtstag, doch leider erfreut der Wiener seine Fans mit keiner neuen TV-Show. Zu schlecht, findet Schnurrdibur (wie der Entertainer seine Gattin und Beraterin Hilde nennt), seien die angebotenen Drehbücher.

"Das Fernsehen ist so brutal, ordinär und billig geworden. In wenigen Jahren sind so ziemlich alle Tabus gefallen, und der gute Geschmack ist auf der Strecke geblieben." Erschüttert konstatierte Show-Legende Peter Alexander kürzlich in einem Interview den Verfall der Fernsehkultur - dem der Hauptdarsteller zahlloser Filme und Fernsehshows freilich seit einigen Jahren tatenlos zusieht.

Als verschmitzter Lausbub mit dem charakteristischen, ein wenig schüchternen Samtblick hat "Peter der Große" das Kunststück fertiggebracht, sich über Jahrzehnte als Spitzenstar der deutschsprachigen Unterhaltungsbranche zu behaupten - am Schlagerhimmel der fünfziger Jahre, als Filmzugpferd in den sechziger Jahren und später als Rekordhalter der Fernseh-Einschaltquoten.

Alexander wollte Opernsänger werden
Peter Alexander Neumayer, 1926 in Wien als Sohn eines Bankbeamten geboren, träumte als musikbegeisteter Sängerknabe von einer Opernkarriere. Nach seiner Rückkehr aus einjähriger britischer Kriegsgefangenschaft nahm er jedoch zunächst ein Medizinstudium auf, um dann ans Max Reinhardt-Seminar zu wechseln, das er 1948 abschloss.

Als jugendlicher Komiker schlug er sich in kleinen Rollen in Operetten und musikalischen Lustspielen am Wiener Bürgertheater durch, im Kabarett und beim Sender Rot-Weiß-Rot, bis er 1952 sein Glück als Schlagersänger versuchte. Schon sein erstes Lied "Die Beine der Dolores" wurde ein voller Erfolg. Im selben Jahr heiratete er die Schauspielerin und Chansonsängerin Hilde Haagen, die ihre eigene Karriere aufgab, um künftig jene ihres Mannes zu managen. Bis heute erschienen über 120 Langspielplatten mit seinen Liedern, begleitet von triumphalen Tourneen.

Über 50 Filmkomödien, 120 Langspielplatten und 600 TV-Sendungen
Franz Antel holte den Hitparaden-Stürmer 1954 mit "Verliebte Leute" zum Film. Bei "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" 1955 mit Caterina Valente war er schon der deutsche Schlagerstar. Danach folgte eine Reihe von Klamauk-Filmen, die Kassenmagnet Peter Alexander erfolgreich vermarkteten. Mit Operettenfilmen wie "Hochzeitsnacht im Paradies", "Die lustige Witwe" oder "Im weißen Rößl" eroberte er weitere Publikumsschichten und den Ruf eines Großmeisters des Wiener Charme und Schmäh. Weit über 50 Komödien hat Peter Alexander, der mit seiner Frau heute in Lugano und am Wörthersee lebt, im Lauf seiner Karriere gedreht.

Im Fernsehen etablierte sich der Entertainer endgültig als Superstar. Ab 1969 hatte er eine eigene TV-Show, "Peter Alexanders Wunschkonzert" des Jahres 1973 erreichte mit 79 Prozent Einschaltquoten deutschen Rekord. Auch in Österreich ist das Multitalent mit seinen Shows ein sicherer Publikumsmagnet. Doch 1996, nach 600 Fernsehsendungen und dem Bambi für sein Lebenswerk, beschloss Peter Alexander sich eine vorübergehende Bildschirmabstinenz zu gönnen - eine Pause, die immer noch andauert. "Man müsste die Zeit zurückdrehen können", meinte er gegenüber "TV neu".

Doch noch verspätete Geburtstagssendung des ORF?
Weswegen auch der ORF zur Feier des 75.Geburtstages eines der größten Fernsehstars der Nachkriegszeit auf das Archiv zurückgreifen muss. Am 24. Juni gesteht der Jubilar "Ich bin kein Casanova" (um 15.30 Uhr in ORF 2), an seinem Geburtstag (30. Juni) stehen gleich drei Peter-Alexander-Filme auf dem Programm von ORF 2: um 9.30 Uhr "Münchhausen in Afrika", um 13.10 Uhr "Schwejks Flegeljahre" sowie um 14.40 Uhr "Wehe, wenn sie losgelassen."

Seit längerer Zeit gebe es jedoch zwischen der ORF-Unterhaltungsabteilung und der Familie der Film- und Fernseh-Legende Gespräche über eine große Geburtstagssendung. Über konkrete Konzepte für die Show, die in Wien gedreht werden soll, werde es im kommenden Juli Gespräche mit dem Ehepaar Alexander geben, bestätigt ORF-TV-Unterhaltungschef Edgar Böhm. Das ZDF fungiert als Koproduktionspartner, als Produktionszeitraum ist der Spätherbst 2001 vorgesehen.

1.7.2001 08:12

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