Sonntag, 1. Juli 2001

Gewinner und Verlierer seit Jahresbeginn

Investmentjahr 2001: Das Kursgemetzel an den Technologiebörsen sorgte heuer für rote Spuren in den Depots der Anleger. Vorsichtige Investoren hatten mit Anleihen und Gold die Nase vorn. Auch für Bill Gates gab es gute Nachrichten: Nach einem fulminaten Kursanstieg der Microsoft-Aktie ist er wieder der Reichste. Hannes Androsch zählt zu den Verlierern.

Es war ein fataler Irrtum: Als am letzten Neujahrstag die Sektkorken knallten, waren sich die meisten Anleger sicher: Das Schlimmste ist vorüber. Der Neue-Markt-Index Nemax50 hatte von seinem Höchststand unglaubliche siebzig Prozent eingebüßt, grundelte bei 2.800 Punkten und schien reif für eine kräftige Erholung.

Der Euro war am Weg der Besserung und etablierte sich über US-Cents, und jenseits des Atlantiks schien das ersehnte Soft landing nach einer langen Periode boomender Konjunktur gelingen. Sechs Monate später ist die Hoffnung bitteren Realitäten gewichen: Der Nemax halbierte sich nochmals auf 1.450 Punkte, der Euro hält sich mit 84 US-Cents nur haarscharf über seinem historischen Tiefstand, und die Konjunkturprognosen werden praktisch wöchentlich zurückgenommen.

Selbst sechs Zinssenkungen durch die US-Notenbank – die radikalste Geldpolitik in der Geschichte der USA – genügten nicht, um die Stimmung an den maroden Aktienbörsen nachhaltig zu heben. Wer mit Aktien Geld verdienen wollte, der wurde in den vergangenen sechs Monaten nur an wenigen Börsen fündig.

Eine davon war Wien
Mit einem Plus von 14 Prozent hängte die oft geschmähte Heimatbörse renommierte Finanzplätze wie London, Paris oder Frankfurt meilenweit ab. Einzig im kalten Moskau war das Börsenparkett noch heißer: Wer sich an riskante russische Aktien wagte, konnte im Schnitt fast dreißig Prozent Plus einstreifen.

An den Leitbörsen gab es dagegen wenig zu holen. Serien von Gewinnwarnungen brachten selbst große Kaliber der Old Economy wie BASF oder Siemens massiv unter Druck. Einzelne Meldungen reichten aus, um die Kurse veritabler Technogiganten wie Cisco, Lucent oder Nokia an einem einzigen Tag um zwanzig oder dreißig Prozent südwärts zu schicken.

Gewohnte Extreme
Mark Mobius, renommierter Börsenguru des Fondsriesen Templeton, rät Anlegern angesichts der Kursflaute zur Gelassenheit: „An den Börsen reagiert die Psychologie, und das sorgt stets für irrationale Extreme.“ Habe man zunächst in der Hausse über das Ziel geschossen, so übertreibe man nun eben auch in der Baisse. Die heftigen Kursausschläge an den Börsen haben aber nicht nur in den Depots der privaten Anleger ihre Spuren hinterlassen.

Auch die Rankings der Superreichen sind ordentlich durcheinandergewirbelt worden. Besonders markant wirkte sich die Kurserholung des Softwareriesen Microsoft aus. Bill Gates ist nun mit einem Vermögen von rund einer Billion Schilling der mit Abstand reichste Mann der Welt. Oracle- Gründer Lawrence Ellison, der ihn in dieser Rolle kurzzeitig abgelöst hatte, ist seit dem Neujahrstag um fast 400 Milliarden Schilling ärmer geworden und fiel mit 420 Milliarden auf Rang vier zurück.

Verlierer Androsch
Auch bei prominenten Österreichern gab es – freilich kleinere – Veränderungen. AT&S-Großaktionär Hannes Androsch verlor durch den Absturz der Techaktie 1,6 Milliarden Schilling, bleibt aber alles in allem Milliardär, ebenso wie Sanochemia-Chef Werner Frantsitz, dessen 70-Prozent- Paket am burgenländischen Pharmaunternehmen nur noch drei statt vier Milliarden Schilling wert ist.

Der Austro-Gates
Als größter Gewinner ist Gericom-Chef Hermann Oberlehner quasi der Austro- Gates: Sein Anteil am Notebookhersteller hat seit Jahresbeginn 1,3 Milliarden Schilling an Wert gewonnen, was den Salzburger zum 3,5fachen Schillingmilliardär macht. Kurssprünge von fünfzig Prozent wie bei Gericom waren heuer freilich die absolute Ausnahme.

Eine detaillierte Bilanz finden Sie im aktuellen Format.

1.7.2001 08:53