Interio-Eigentümerin als Favoritin für den Posten

Nach dem Nein von Rewe-Boss Hans Reischl zu den Libro-Ambitionen von Billa-Chef Veit Schalle, gibt es eine neue Favoritin auf den Spitzenposten im Libro-Aufsichtsrat. Damit alles in der Familie bleibt, versuchen jetzt die Banken Schalle-Ehefrau Janet Kath für die Position zu gewinnen.
Die Gläubigerbanken favorisieren nach wie vor Billa-Boß Veit Schalle als neuen Aufsichtsratspräsidenten der insolventen Libro-Gruppe. Der wird die Funktion aber nur schwer annehmen können. Denn Hans Reischl, Chef der Billa-Mutter Rewe, erklärt gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Format": "Dazu gebe ich sicher nicht meine Zustimmung. Es gibt genug Arbeit in unserem Laden. Und außerdem möchte ich nicht, dass Billa mit einem Sanierungsfall in Verbindung gebracht wird."
Laut "Format" versuchen die Banken für den Fall von Schalles Absage, dessen Ehefrau Janet Kath, die Eigentümerin des Möbelhändlers Interio, als Aufsichtsratschefin für Libro zu gewinnen. Entweder Kath oder Bankenberater Günther Tik werden demnächst den Vorsitz im Kontrollgremium übernehmen.
Andrè Rettberg räumte seinen Platz
Beim schmachvollen Abgang am Donnerstag vergangener Woche aus der Libro-Zentrale in Guntramsdorf bei Wien entlockte dem einstigen Mister Libro beim Abräumen seines Schreibtisches ein Büchlein über Feng Shui nur ein zynisches Lächeln: André Rettberg hatte sein Büro nämlich streng nach den Regeln der asiatischen Einrichtungskunst geordnet. Sein Schreibtisch, den er jetzt endgültig räumen mußte, stand auf dem „Geldplatz“.
Seine Medienhandelskette Libro mußte tags darauf beim Handelsgericht Wiener Neustadt mit Passiva von 4,17 Milliarden Schilling den Ausgleich anmelden. Und Rettberg könnte auch in ein persönliches Finanzfiasko schlittern. Er kaufte noch im letzten Jahr zu teils hohen Kursen rund 150.000 Libro-Aktien an der Börse und gab dafür 70 bis 100 Millionen Schilling aus, teilweise auf Kredit.
Die 200 Millionen, die Rettberg beim Einstieg der Telekom kassierte, decken seine Gesamtinvestitionen in Libro-Anteile nicht ab. Der Wert seines Pakets, zeitweise über 600 Millionen Schilling, ist heute geringer als der offene Millionenkredit von Rettbergs Privatstiftung bei der CA, für den er privat haftet. Ein Freund: „Wenn die Bank zu keiner gütlichen Einigung bereit ist, dann droht ihm sogar der Privatkonkurs.“
Suche nach Leichen
Der Krimi um Libro schlägt damit immer höhere Wellen. Fest steht, daß auf Rettberg, seinen Finanzvorstand Johann Knöbl und den Aufsichtsrat eine Untersuchung im Hinblick auf strafrechtlich relevante Tatbestände wie etwa Insolvenzverschleppung zukommt. Ein neues Management der Banken soll Libro im Ausgleich auf Kurs bringen, Aktionäre wollen die Hintergründe der Pleite untersuchen.
Steinbauer glaubt an Sanierung
Der neue Chef, Werner Steinbauer, glaubt an die Sanierung: „In drei Jahren.“ Banker: „Da werden jetzt alle Keller ganz genau nach Leichen durchsucht.“ Diese unerfreulichen Entwicklungen hatten bereits eine Woche zuvor ihren ersten Höhepunkt erreicht. Ein dubioses Konsortium FPÖ-naher Entrepreneure rund um den Chef der Internetcompany Yline, Werner Böhm, hatte von den Alteigentümern UIAG und Telekom Austria den Zuschlag für die Mehrheit an Libro erhalten.
Die schillernde Truppe scheiterte jedoch am Widerstand der Gläubigerbanken Oberbank, Bank Austria, RZB & Co. „LIBRO IST SANIERBAR.“ Die Banken wollen das Unternehmen lieber bis zum Verkauf an einen seriösen Partner selbst weiterführen und vertrauten die Libro-Mehrheit dem Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, Gottwald Kranebitter, an.
Vierköpfige Sanierungsmannschaft
Am Donnerstag wurde eine vierköpfige Sanierungsmannschaft bestellt: Als Vorstandssprecher amtiert der ehemalige Auricon-Manager Werner Steinbauer. Ihm zur Seite stehen der ebenfalls aus der Auricon kommende und schon bisher bei Libro tätige Bernhard Chwatal sowie die beiden früher im Billa-Konzern tätigen Manager Gerhard Maierhofer und Karl Kronsteiner. Steinbauer: „Libro ist sanierbar, aber das dauert drei Jahre“.
Den ausführlichen Bericht und ein Interview mit dem neuen Libro-Chef Werner Steinbauer lesen Sie im neuen FORMAT.
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