Sonntag, 1. Juli 2001

"Ich habe kein Chaos angerichtet"

Johannes Ditz, ÖIAG-Vorstand und derzeit umstrittenster Manager Österreichs, über seine Niederlage gegen Telekom-Chef Heinz Sundt, den Einfluß der Politik und sein geballtes Arbeitsleid.

FORMAT: Vorige Woche wurden Sie vom Eigentümervertreter der ÖIAG, Finanzminister Karl-Heinz Grasser, massiv attackiert und sinngemäß dazu aufgefordert, von Ihnen angekündigte Personalrochaden auch die Tat umzusetzen, wobei damit der rot-schwarze AUA-Vorstand gemeint war. Mittlerweile haben Sie den AUA-Vorstand tatsächlich abgesetzt. Haben Sie letztlich doch Gehorsam gegenüber der Politik bewiesen?
DITZ: Aber überhaupt nicht. Mit meiner Reaktion habe ich nicht nur Finanzminister Grasser gemeint, sondern alle Politiker, die sich ständig zu ÖIAG-Fragen melden. Die ÖIAG muss endlich aus der Geiselhaft der Politik freigelassen werden. Dass es im Parlament dauernd dringliche Anfragen wegen der ÖIAG gibt, obwohl wir als Gruppe die besten Ergebnisse seit langem präsentieren, kann doch nur bedeuten, daß das Thema ÖIAG zu einem Politikum gemacht wird. Da äußern sich Politiker jeder Couleur. Das ist eine äußerst ungünstige Entwicklung. Das muß ein Ende haben.

FORMAT: Politische Debatten rund um die ÖIAG, die zu hundert Prozent der Republik Österreich gehört, dürften Sie als Ex-Politiker doch nicht wundern.
DITZ: Seit dem Regierungswechsel hat sich das Verhalten der Politik gegenüber der ÖIAG total verändert. Und obwohl ich einmal selbst in der Politik war, war ich erschüttert: Früher ist man wenigstens nicht so weit gegangen, das Image eines Unternehmens aufs Spiel zu setzen. Und heute handelt es sich, im Gegensatz zu früher, meist um börsennotierte Unternehmen.

FORMAT: Sie fühlen sich also nicht als Exekutor politischen Willens?
DITZ: Nein. Ich treffe meine Entscheidungen selbständig in den zuständigen Gremien und bin für Zurufe nicht empfänglich.

FORMAT: Die Optik beim AUA-Vorstandswechsel ist eine andere. Zumal es aus dem Finanzministerium heißt, diese Entscheidung habe Ihrem Verbleib in der ÖIAG genützt.
DITZ: Gerade deshalb habe ich ja dem Finanzminister öffentlich widersprochen. Es war und ist für mich wesentlich, keinen Zweifel daran zu lassen, daß der AUA-Aufsichtsrat unabhängig entscheidet. Aber seien Sie gewiß: Mit oder ohne Zuruf von Minister Grasser wäre diese Klärung in der AUA erfolgt. Meine Dialogpartner sind die Beteiligungsunternehmen und der Aufsichtsrat der ÖIAG. Und bevor Sie mich fragen: Zu Präsident Heinzel habe ich ein gutes, sachorientiertes Arbeitsverhältnis.

FORMAT: Den Noch-AUA-Vorstand haben Sie aber doch in eine unglückliche Lage gebracht: Bammer und Rehulka wissen nicht, wie lange sie noch im Amt sind, haben aber sehr schwierige Entscheidungen zu treffen, da es der AUA-Gruppe gar nicht gutgeht und die Belegschaft jetzt auch noch mit Streiks droht.
DITZ: Wir vollziehen bei der AUA einen geordneten Managerwechsel, der von allen mitgetragen wird. Zum Operativen: Ich glaube nicht, daß die Belegschaft in der jetzigen angespannten Situation der AUA-Gruppe wirklich streiken wird. Die Vorstände sind in ihrer Autorität nicht eingeschränkt und werden der Belegschaft sicher erklären können, welche Folgen ein Streik hätte.

FORMAT: Welches Anforderungsprofil soll der nächste AUA-Vorstand erfüllen?
DITZ:Wir wollen drei bis vier Vorstandsmitglieder; einen Mann für Marketing, einen Techniker für Operations, einen Finanzchef, der die AUA-Gruppe optimal präsentiert. Über allem steht ein starker CEO. Mehr sage ich dazu nicht. Die Diskussion in der Öffentlichkeit ist damit beendet.

FORMAT: Könnte Sie persönlich ein AUA-Vorstandsposten reizen?
DITZ: Nein.

FORMAT: Sie haben in der Vorwoche einen Kampf verloren, konnten die Ablöse des Telekom- Vorstands nicht durchsetzen.Telekom-Chef Heinz Sundt bleibt, statt dessen mussten Sie als Aufsichtsratspräsident den Hut nehmen. Das haben Sie bisher vehement ausgeschlossen.
DITZ: Wir leben ja nicht im Kommunismus, wo es um Machtkämpfe geht. Es gibt zwei Gründe für meinen Rücktritt: Zum einen ist zwischen mir und der Mehrzahl der Belegschaftsvertreter das notwendige Vertrauen nicht mehr da. Und: Zwischen mir und anderen Telekom-Aufsichtsräten gab es eine unterschiedliche Beurteilung über die Strategie und Lage der Telekom. Mit meinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat ist ein Schlußstrich gezogen. Die Telekom kann wieder in Ruhe arbeiten.

FORMAT: Sind Sie zurückgetreten, weil Sie befürchten, die angestrengte finanzielle Situation der Telekom Austria könnte entgleiten?
DITZ: Nein. Der Telekom-Vorstand hat der Hauptversammlung einen positiven Bericht gegeben. Damit ist dieses Thema für mich abgeschlossen.

FORMAT: Als ÖIAG-Chef sind Sie aber schon noch für die Telekom zuständig.
DITZ: Indirekt ja. Aber ich würde bitten, künftig den neuen Präsidenten zu fragen.

FORMAT: Auch, warum Sie kein gutes Verhältnis zu Ihrem Syndikatspartner Telecom Italia hatten, der gegen die Vorstandsablöse war?
DITZ: Das sind schon wieder falsche Behauptungen: Ich hatte und habe eine gute Gesprächsbasis zur Telecom Italia. Ich bin als ÖIAG-Vorstand eben in die Auseinandersetzungen zwischen Opposition und Regierung geraten und wurde für eine öffentliche Diskussion verantwortlich gemacht, die ich nicht losgetreten habe. Letztlich war ich dann der Sündenbock.

Alles über den Etappensieg von Heinz Sundt und die schwierige Suche nach neuen AUA-Chefs lesen Sie im neuen FORMAT.

1.7.2001 09:02