Wettbewerbsunterlagen an Unternehmen ausgeschickt

Die Autobahnfinanzierungsgesellschaft Asfinag hat am Freitag die Errichtung und den Betrieb eines vollelektronischen Lkw-Mautsystems für Österreichs Autobahnen ausgeschrieben. Die Wettbewerbsunterlagen für das geplante Lkw-Mautsystem sind am Freitag an jene Unternehmen, die sich bei einer Interessentensuche als Teilnehmer qualifiziert haben, ausgesendet worden.
Die erste Phase der Ausschreibung ist damit eingeleitet, teilte die Asfinag in einer Presseinformation mit.
Bis 28. September 2001 haben die Bewerber Zeit ihre Konzepte abzugeben. Bis Ende November will die Asfinag dann die Beiträge ausgewertet und die Gewinner ausgewählt haben. In einem darauf folgenden Verhandlungsverfahren werden die Gewinner verbindliche Angebote vorlegen, die die Basis für einen Betreibervertrag darstellen.
Die Wahl des endgültigen Systembauers und -betreibers will die Asfinag anhand von mehreren Kriterien treffen, zu zwei Drittel so genannten Muss-Anforderungen, die auf alle Fälle erfüllt werden müssen (z.B. dass das System bei jeder Witterung funktioniert), und zu einem Drittel "Soll"- Anforderungen, die in weiterer Folge bewertet werden (z.B. die Beschaffenheit und Kundenfreundlichkeit einer On-Board-Unit).
Die Autobahnfinanzierungsgesellschaft rechnet mit dem endgültigen Zuschlag im ersten Halbjahr 2002. Mit der Systemerrichtung könnte unmittelbar darauf begonnen werden. Das Ziel, im Laufe des Jahres 2003 mit der Lkw-Maut auf Österreichs Autobahnen zu starten, ist damit für die Asfinag weiter intakt. Als Anreiz, möglichst rasch ein funktionierendes Mautsystem zu liefern, wird die Asfinag Bonuszahlungen anbieten, da sie von früheren Mauteinnahmen auch selbst profitiert.
Die neue Ausschreibung sieht - in Abstimmung mit einer Arbeitsgruppe im Verkehrsministerium - keine Systemeinschränkung vor. Alle Technologien werden zugelassen. Bei der Erstellung der Ausschreibungskriterien habe man aber großen Wert darauf gelegt, "dass nur Technologien zur Umsetzung kommen können, die auf dem letzten Stand der Technik sind bzw. auch zukünftigen Anforderungen Stand halten".
Bei den Kosten für das neue System will sich die Asfinag noch nicht festlegen. Dass sich die Errichtungskosten aber über 3,5 Mrd. S (254 Mill. Euro) bewegen werden - jener Summe, die für ein duales System veranschlagt worden war - gilt als unwahrscheinlich.
Auch wer sich an der neuen Ausschreibung des Lkw-Mautsystems beteiligt, ist offiziell noch nicht bekannt. Die Asfinag bescheinigt den Unternehmen aber allesamt sowohl aus technischer als auch aus finanzieller Sicht hohes Niveau und spricht von teilweise internationalen Konsortien genauso wie von österreichischen Anbietern mit ausländischer Beteiligung.
Zum ersten Mal war ein Lkw-Mautsystem bereits im vergangenen Jahr ausgeschrieben worden. Damals war der Wettbewerb allerdings auf die Errichtung einer Kombination aus elektronischem System und Mauthütten beschränkt. In letzter Minute unmittelbar vor der Vergabe war diese erste Ausschreibung aber zu Gunsten der Neuausschreibung eines - wie es damals hieß - "zukunftsorientierten", vollelektronischen Systems abgesagt worden.
Die größten Chancen auf einen Zuschlag waren bei der ersten Ausschreibung der Kapsch AG eingeräumt worden. In die Endrunde kamen damals nur das Unternehmen selbst und ein zweiter Bewerber, bei dem Kapsch ebenfalls involviert war. An der neuerlichen Ausschreibung wird sich Kapsch jedoch nicht beteiligen, weil diesmal nicht nur die Errichtung, sondern auch der Betrieb des Systems ausgeschrieben wurde. "An einem Betrieb sind wir aber nicht interessiert, unsere Sache ist die Technik", hieß es aus der Kapsch AG, die nun auf einen Folgeauftrag des erfolgreichen Bewerbers hofft.
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