Donnerstag, 28. Juni 2001

Auch Hauptversammlungstermin ist unsicher

Der Kapitalbedarf der in schweren Finanzproblemen steckende Bankgesellschaft Berlin rund 2 Mrd. DM (1 Mrd. Euro/14,1 Mrd. S) höher als bisher angenommen. Der Betrag könnte sogar noch höher sein, sollte die Krise der Bank andauern.

Die über den bekannten Kapitalbedarf von 4 Mrd. DM hinausgehenden 2 Mrd. DM seien eine vorsichtige Schätzung, hieß es unter Berufung auf Kreise der mit der Prüfung der Bank betrauten Wirtschaftsprüfer. Der Betrag könnte noch höher ausfallen, wenn die Führungskrise der Bank andauere. Eine Stellungnahme der Bank war zunächst nicht zu erhalten.

Es hieß weiter, inzwischen sei auch der angepeilte Hauptversammlungstermin der Bank Ende August unsicher. Darüber hinaus hätten sich die Wirtschaftsprüfer geweigert, einen Geschäftsplan für das Institut vorläufig zu bewerten. Mangels Masse könne der Plan nicht mit belastbaren Daten unterlegt werden. Den Geschäftsplan hatte eine Unternehmensberatung auf Basis der Umstrukturierungsvorstellungen von Vorstandschef Wolfgang Rupf erstellt.

Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft will am kommenden Wochenende über die Umstrukturierung der Bank entscheiden. Vorstandschef Rupf hatte in einem Interview erklärt, nach seinen Vorstellungen sollte die Bankgesellschaft in drei Teilbanken mit eigenem Management geteilt werden, die unter eine Holdinggesellschaft angeordnet sein sollen. Zugleich hatte er die Abgabe von einigen Immobilienaktivitäten vorgeschlagen.

Am Mittwochabend hatten die beiden Großaktionäre der Bank, das Land Berlin und die NordLB ihren Willen bekundet, zu einer schnellen Lösung für die Bankgesellschaft zu kommen. Die NordLB hatte sich wiederholt bereit erklärt, ihren Anteil von 20 Prozent deutlich aufzustocken. Allerdings müssten erst belastbare Zahlen zur aktuellen Lage, insbesondere zum Finanzbedarf des Institut, vorliegen.

28.6.2001 11:04