Montag, 25. Juni 2001

SPEZIAL: Alle Infos zum French Open

Brasilianisches Flair zur Feier des French-Open-Siegers Gustavo Kuertenm. Auf dieses und den Brasilianer werden die Tennis-Fans in Wimbledon verzichten müssen. Nach seinem dritten Paris-Triumph verkündete Kuerten seine Absenz beim dritten Grand Slam-Turnier dieses Jahres.

Kuerten, bei dem sich u.a. Brasiliens Staatspräsident Fernando Henrique Cardoso mit einem Glückwunsch-Telegramm einstellte, vermied jedoch das Wort Boykott. "Ich werde mich jetzt zwei Wochen ausruhen. Ich habe viel gespielt und brauche eine Pause. Außerdem habe ich noch immer ein Problem mit meiner Leiste, auf das ich aufpassen muss", sagte Guga, dem noch die Vorjahrsniederlage gegen den Deutschen Alexander Popp in unliebsamer Erinnerung ist: "Ich bin damals in Wimbledon krank geworden und möchte in diesem Jahr nicht wieder ein Problem für die zweite Hälfte der Saison bekommen."

Sandplatz-Spezialisten benachteiligt
Hintergrund ist aber auch, dass sich die Sandplatz-Spezialisten von den Organisatoren in Wimbledon benachteiligt fühlen. Dort wird nicht streng nach den Platzierungen in der Weltrangliste gesetzt, sondern das angebliche Leistungsvermögen auf Rasen als Kriterium herangezogen. In diesem Frühjahr gab es deshalb neuerliche Boykottdrohungen, nachdem bereits im Vorjahr etliche starke Sandspieler aus Spanien aus dem "heiligen Rasen" gefehlt hatten.

Kuerten - die totale Nummer eins
Gustavo Kuerten, bereits vor den French Open die Nummer eins im Entry System, hat sich durch seinen Paris-Sieg nun auch im Champions Race an die Spitze gesetzt. Der Brasilianer führt vor dem bisherigen Leader Andre Agassi (USA) und dem Spanier Juan Carlos Ferrero dieses Ranking an. Die in Paris in Runde eins gescheiterten Österreicher Markus Hipfl (von 64 auf 70) und Stefan Koubek (von 76 auf 79) verloren etwas an Terrain. Im Entry-System verdrängte Agassi den Russen Marat Safin vom zweiten Rang. Koubek (von 76 auf 81) und Hipfl (von 81 auf 90) büßten auch hier einige Plätze ein.

Clijsters und Henin erstmals Top Ten
Während Paris-Siegerin Jennifer Capriati (USA) nach den French Open in der Tennis-Weltrangliste der Damen hinter Martina Hingis (SUI), Venus Williams (USA) und Lindsay Davenport (USA) unverändert an vierter Stelle rangiert, machten die jungen Belgierinnen Kim Clijsters und Justine Henin einen großen Sprung vorwärts. Die geschlagene Finalistin verbesserte sich vom 14. auf den siebenten Rang und scheint damit ebenso wie die Schwtt-Bezwingerin Henin (von 16 auf neun) erstmals im Kreis der Top Ten auf.

Barbara Schett, die in Paris wie im Vorjahr das Achtelfinale erreicht hatte, verbesserte sich vor allem dank der Bonus-Punkte für den Erstrundensieg über Venus Williams um zwei Plätze und scheint nun an 23. Stelle auf. Die in Runde zwei gescheiterte Sylvia Plischke verzeichnete hingegen einen gewaltigen Rückfall. Die vor Paris auf Rang 109 geführte Tirolerin rutschte auf Platz 149 ab und ist damit hinter Schett und Patricia Wartusch (132) nur mehr drittbeste ÖTV-Spielerin.

Dopingfall bei den French Open
Bei den am Sonntag in Paris beendeten Tennis-French Open hat es offenbar einen positiven Dopingfall gegeben, Name wurde aber vorerst keiner bekannt gegeben. "Es gab in Roland Garros über 140 Tests. Noch liegen nicht alle Ergebnisse vor, doch ich glaube, dass darunter ein positiver war", sagte Frankreichs Sportministerin Marie-George Buffet am Montag in einem Radio-Interview für "France Inter". Seitens des französischen Verbandes gab es dazu vorerst keinen Kommentar.

Dritter Erfolg bei French Open
Gustavo Kuerten ist zum dritten Mal nach 1997 und 2000 Sieger der French Open und hat sich wohl endgültig in die Liste der Großen eingetragen. Der 24-jährige Brasilianer setzte sich am Sonntag im Endspiel des zweiten Grand-Slam-Turniers des Jahres gegen den Spanier Alex Corretja nach 3:12 Stunden mit 6:7 (3/7),7:5,6:2,6:0 durch. "Guga", der im Achtelfinale gegen den US-Qualifikanten Michael Russell einen Matchball hatte abwehren müssen, ist der erste Spieler seit Mats Wilander (1983, 1985, 1988) mit drei Triumphen in Roland Garros. Corretja musste sich auch in seinem zweiten Grand-Slam-Endspiel nach Paris 1998 (Sieger Carlos Moya) geschlagen geben.

Unglaublicher Kampf
"Es war ein unglaublicher Kampf. Jetzt bin ich nur noch glücklich. Alle meine Träume sind wahr geworden", meinte Kuerten, nachdem er den vierten Matchball verwertet und dem Publikum wie schon im Achtelfinale ein Herz in den Sand gemalt hatte. Diesmal legte sich der absolute Publikumsliebling gleich rücklings in das Herz und bedankte sich damit für die Unterstützung seiner Fans. Jim Courier, den er mit seinem dritten Sieg in Roland Garros übertrumpft hat, war unter den Gratulanten, die dem sympathischen Südamerikaner den "Coupe des Mousquetaires" überreichten.

In die Liste der ganz Großen
Kuerten hat sich mit seiner Steigerung endgültig in die Liste der ganz Großen eingetragen, denn vor ihm haben nur Rekordsieger Björn Borg (6) sowie Henri Cochet (4), Rene Lacoste (3), Ivan Lendl (3) und Mats Wilander (3) zumindest drei French-Open-Titel holen können. In der vierten Runde war Kuerten gegen Russell einen Punkt vor einer glatten Dreisatz-Niederlage gestanden und hatte das Match noch umgedreht. Er ist übrigens der erste Turniersieger seit Adriano Panatta vor 25 Jahren, der im Verlauf des Turniers einen Matchball hatte abwehren müssen. Und ab diesem Zeitpunkt spielte "Guga" wohl zwei Klassen stärker.

Erster Satz an Corretja
Zu Beginn des Finales hatte es allerdings nicht nach einer Wiederholung des Titels aus dem Vorjahr ausgesehen. Denn im ersten Satz war überraschend Alex Corretja der Mann, der das Spiel diktierte. Kuerten agierte auch zu zaghaft. Er egalisierte zwar ein 2:4 und kam ins Tiebreak. Sein katalanischer Gegner, der als Titelverteidiger übrigens ab 23. Juli auch wieder in Kitzbühel zu sehen sein wird, kam aber mit dem zu dieser Zeit besonders böigen Wind besser zurecht und gewann das "Jeu decisif" mit 7:3. Als Corretja in der Folge auf 2:0 davonzog, musste Kuerten sein Spiel umstellen. Der Südamerikaner verbiss sich mehr in die Zweikämpfe und machte nun wesentlich mehr Druck.

Auch Glück
Bei 5:5 und Aufschlag Kuerten hatte Corretja zwar noch einen Breakball zum 6:5, doch "Guga" hatte in dieser Phase auch Glück. Zwei Netzroller verhalfen ihm zum Gamegewinn. Corretja gab in der Folge den Aufschlag ab, Kuerten schaffte den Satzausgleich und schaffte auch im dritten Satz sofort ein Break zum 2:0. Das war die Entscheidung. "Ich bin froh, dass ich das Match im zweiten Satz umdrehen konnte. Ich habe mich von Satz zu Satz gesteigert und am Ende mein bestes Tennis gespielt", sagte ein freudestrahlender Kuerten.

Immer stärker
Kuerten wurde dann immer stärker, gewann Satz drei 6:2 und ließ dem Spanier, der nun auch ziemlich von der Rolle war, im vierten Durchgang überhaupt keine Chance mehr. Kuerten spielte wie in Trance. Corretja machte in diesem Satz nur sieben Punkte. Bei 5:0, 0:40 vergab Kuerten mit einem Smash ins Netz sowie einem unplatzierten Schmetterball noch zwei von drei Matchbällen, erst den vierten konnte er nützen. Corretja musste in seinem dritten großen Finale die zweite Niederlage hinnehmen, einmal war er im ATP-Finale 1998 Sieger.

Kurzportrait von Gustavo Kuerten

Geboren: 10. September 1976 in Florianopolis
Größe/Gewicht: 1,91 m/80 kg
Rechtshänder
ATP-Titel: 14, darunter French Open 1997, 2000, 2001
Profi seit 1995
Champions Race 2001/Entry System: ab Montag Nummer 1 bzw. 1
Preisgeld bisher: 9,851.701 US-Dollar
Fünfsatz-Rekord: 13:7-Siege (darunter drei nach 0:2-Rückstand)
Weg zum Sieg (Gesamtspielzeit: 18:20 Stunden)
1. Runde: Guillermo Coria (ARG) 6:1,7:5,6:4
2. Runde: Agustin Calleri (ARG) 6:4,6:4, 6:4
3. Runde: Karim Alami (MAR) 6:3,6:7,7:6,6:2
4.R./AF: Michael Russell (USA) 3:6,4:6,7:6,6:3,6:1 (einen Matchball abgewehrt)
VF: Jewgenij Kafelnikow (RUS) 6:1,3:6,7:6,6:4
SF: Juan Carlos Ferrero (ESP) 6:4,6:4,6:3
Finale: Alex Corretja (ESP) 6:7 (3/7),7:5,6:2,6:0

25.6.2001 10:11