Donnerstag, 28. Juni 2001

Gugl-Start wackelt wegen ausständiger Zahlungen

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Die Golden-League-Saison der Leichtathleten startet am Freitag in Rom. Österreichs größte Hoffnung auf den 1. Sieg in dieser hoch dotierten Meeting-Serie ist Stephanie Graf. Im Interview spricht die Olympia- und Hallen-WM-Zweite über 800 m u.a. über ihre Vorbereitung, Ziele und warum sie nach derzeitigem Stand nicht in Linz laufen wird.

Frage:Nach der Hallen-WM haben Sie sich keine Pause gegönnt und durchtrainiert. Stimmt es, dass die Vorbereitung auf die WM-Saison noch härter war als jene auf Olympia?
Graf: Ja, mein Trainer Helmut Stechemesser hat sich für heuer noch wildere Sachen einfallen lassen, z.B. 20 Mal 300 Meter, noch dazu im Wechseltempo. Solche Einheiten sind derart hart, dass man sich dabei übergeben muss, aber auch enorm wichtig, damit man im Wettkampf aus müden Muskeln das Allerletzte rausholen bzw. bei hohem Tempo noch taktisch reagieren kann. Im Schnitt habe ich 100 km pro Woche trainiert, davon 70 bis 75 Prozent schnell, und dazu noch das Krafttraining optimiert.

Frage: Denkt man da nicht manchmal: 'Warum tue ich mir all diese Qualen überhaupt an'?
Graf: Natürlich, so habe ich heuer wieder einmal den Punkt erreicht, wo ich mir gedacht habe, ich schmeiße alles hin. Aber solche Phasen, in denen man mit dem Leistungssport aufhören will, muss man einfach überwinden.

Frage: Glauben Sie, dass sie nach diesem harten Training und der tollen 400-m-Zeit von 52,99 Sekunden in Budapest heuer schon unter 1:56 Minuten laufen können?
Graf: Ich glaube noch nicht. Ich traue mir konstante 1:57er-Zeiten zu, und bei optimalen Bedingungen werden mir ab und zu 1:56 auskommen. Aber im Hinblick auf die taktischen Rennen ist es wichtiger, dass man im Finish noch zulegen kann. So bin ich in der Halle in Stockholm nach 1:30 Minuten für die ersten 600 m die letzten 200 m in 27,5 Sekunden gelaufen. Das kann außer mir im Moment nur noch Olympiasiegerin und Hallen-Weltmeisterin Maria Mutola aus Mosambik.

Frage: Apropos Mutola, wie viele Duelle wird es mit Ihrer Hauptkonkurrentin vor der WM in Edmonton (3.-12.8.) geben?
Graf: Unsere Manager haben sich darauf geeinigt, dass wir vor der WM nur in Paris und Oslo gegeneinander laufen werden. Maria lässt also das Golden-League-Meeting in Rom aus, ich dafür jenes in Monte Carlo.

Frage: Ihr großes Ziel ist natürlich die WM, wie schaut es mit den anderen Zielen für dieses Jahr aus?
Graf: Ich will heuer raus aus der Silber-Kategorie, denn um international zu den ganz Großen zu gehören, fehlen mir noch so viele Sachen. Dazu gehört einmal eine Goldmedaille bei einem Großereignis. Ein Sieg in Zürich ist für mich auch ein riesiges Ziel, das ist ja das Mekka in unserem Sport, durchaus zu vergleichen mit Wimbledon im Tennis. Auch ein Erfolg beim Grand-Prix-Finale ist für mich besonders wichtig, ebenso wie ein Sieg in einem Golden-League-Meeting.

Frage: Stimmt es, dass Sie Probleme mit den Gugl-Veranstaltern haben und Ihr Start beim Heim-Meeting am 20. August gefährdet ist?
Graf: Das ist richtig, denn es sind noch immer vertraglich festgelegte Zahlungen vom Vorjahr ausständig. Und das ist höchst unprofessionell, denn ich kann ja auch nicht in ein Geschäft gehen, ein Kilo Brot kaufen und nur drei viertel des Preises dafür bezahlen. Sollte das Geld nicht bis 15. Juli überwiesen werden, dann laufe ich, so Leid es mir für meine Fans in Österreich tut, in Linz ganz bestimmt nicht und starte stattdessen am 19. August in Gateshead. Für dieses Meeting hat mein Manager ein tolles Angebot, außerdem zahlen die Veranstalter dort verlässlich.

Frage: Wie schlagen sich Ihre Silbermedaillen bei Olympia und der Hallen-WM eigentlich finanziell nieder?
Graf: Da kann ich ganz offen reden, schließlich muss ich alle meine Einkünfte versteuern. Für meinen Start in Zürich bekomme ich 7.500 Euro Startgeld, sollte ich in Edmonton Weltmeisterin werden, sind es sogar 12.000. Dazu kommen dann die üblichen Golden-League- Disziplinen-Preisgelder, also 15.000 Euro für den Sieg, 12.000 für Platz zwei, 8.000 für die Dritte usw., und diverse Zeitprämien, beispielsweise 10.000 Franken für eine Jahresweltbestleistung. Diese Summen sind natürlich schön, doch eigentlich ist mir alles Geld wurscht, denn das, was ich wirklich will - den WM-Titel - kann ich mir damit nicht kaufen.

28.6.2001 09:52