Donnerstag, 28. Juni 2001

Gründung eines weltweiten HIV-/Aids-Fonds

Die internationale Völkergemeinschaft will bis zum Jahr 2003 eine wirksame Strategie gegen Aids entwickeln. Zum Abschluss ihrer dreitägigen Aids-Sondersitzung verabschiedeten die Delegierten der UN-Vollversammlung eine Erklärung mit konkreten Zielen zur Bekämpfung der Immunschwäche, die allerdings nicht bindend ist.

UN-Generalsekretär Kofi Annan bezeichnete die Abschlusserklärung als Basis für "eine globale Antwort auf ein wahrhaft globales Problem".

Die Abschlusserklärung ruft alle Regierungen dazu auf, im Laufe der kommenden zwei Jahre Strategien und Finanzierungskonzepte zur Bekämpfung von Aids zu entwickeln. Ferner sollen Programme zur Senkung der Infektionsraten und zum Schutz von Risikogruppen ausgearbeitet werden. Bis 2005 soll es in allen Staaten Aufklärungsprogramme geben.

Die Zahl Aids-kranker Kinder soll bis 2005 um 20 Prozent vermindert und bis 2010 halbiert werden, indem schwangere HIV-infizierte Frauen rechtzeitig medizinisch versorgt werden. Außerdem einigten sich die Vertreter aus 189 Staaten darauf, die Verfügbarkeit von Aids-Medikamenten zu erhöhen.

Auf den Wortlaut der Deklaration hatten sich die Delegierten nach langem Ringen geeinigt. Die westlichen Industrieländer erklärten sich auf Drängen einiger islamischer Staaten bereit, Verweise auf Homosexualität und Prostitution aus dem Dokument zu streichen und stattdessen von "Lebensumständen" und "sexuellen Praktiken" zu sprechen, die das Infektionsrisiko erhöhten. Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Mary Robinson, kritisierte diese nach ihren Worten kulturell und religiös geprägte Haltung. Eine Weigerung, die wahren Ursachen zu erkennen, bedeute, dass die Zahl der Infizierten nur steigen könne.

Außerdem versicherten die unterzeichnenden Staaten ihre Unterstützung für die Gründung eines weltweiten HIV-/Aids-Fonds, aus dem die dringendsten Maßnahmen im Kampf gegen die Immunschwäche finanziert werden sollen. Annan drückte seine Hoffnung aus, dass die Teilnehmerstaaten des G-8-Gipfels im kommenden Monat in Italien den Fond ebenfalls unterstützen werden. Nach Berechnungen der Vereinten Nationen sind jährlich etwa 10,23 Mrd. Euro (141 Mrd. S) von Nöten, um die Weiterbreitung des Virus zu stoppen und Infizierte sowie auch Aidswaisen zu versorgen.

Am Gipfel nahmen etwa 3.000 Politiker, Wissenschafter, Aids-Opfer und Wirtschaftsvertreter teil. Die Konferenz fand 20 Jahre nach der Entdeckung von Aids statt.

28.6.2001 14:06