Donnerstag, 28. Juni 2001

Weitere Brennstäbe für 2. Reaktor-Block

Grafik: Die Schwachstellen des AKW

Diskutieren Sie mit: AKW Temelin

Die Empörung über das AKW nimmt kein Ende: In der vergangenen Nacht ist eine weitere Lieferung von Brennstäben im südböhmischen Atomkraftwerk eingetroffen. Der jüngste Pannenbericht aus dem AKW Temelin drang Ende der Vorwoche an die Öffentlichkeit. Bei Überprüfungen stellte sich heraus, dass die Bodenplatte unter der Turbine schwer beschädigt ist.

Im umstrittenen südböhmischen Atomkraftwerk Temelin ist in der Nacht zum Donnerstag eine weitere Lieferung von Brennstäben eingetroffen. Wie Temelin-Sprecher Milan Nebesar bestätigte, habe die Firma Westinghouse die Lieferung an das AKW am Mittwoch Abend um 21.51 Uhr übergeben. "Alles ist in bester Ordnung und ohne Komplikationen verlaufen", sagte Nebesar.

Nach Angaben des Sprechers handelte sich bereits um die vierte Lieferung für den zweiten Block Temelins und um insgesamt schon die neunte Lieferung für das Atomkraftwerk. Diese Lieferungen würden sich jedes Jahr wiederholen, in jenen Zeit-Intervalen, in denen der erste oder zweite Reaktor beladen würden, teilte Nebesar mit.

Husch-Pfusch-Reparaturen
Tatsächlich verursachten die Vibrationen der über 50 Meter langen und 1.600 Tonnen schweren Riesenturbine immer wieder gravierende Probleme im vor neun Monaten gestarteten Probebetrieb. Seit 3. Mai steht das AKW aufgrund der ständigen Turbinenprobleme. Der unwuchtige Maschinenteil ist ausgebaut und wird derzeit vom Hersteller Skoda Pilsen repariert. Eine Husch-Pfusch-Maßnahme, die das eigentliche Problem – ein Teil der Turbinenwelle ist verbogen – nicht beseitigt und zudem eine geringere Stromproduktion zur Folge haben dürfte.

Haarsträubend seien auch die Reparaturpläne für die ramponierte Betonplatte, die immerhin 56 Meter lang und bis zu zwei Meter dick ist: „Sie wollen einfach unter die Stützen, auf denen die Turbine aufliegt, etwas unterschieben – so als ob man unter einen wackelnden Wirtshaustisch einen Bierdeckel schiebt“, vergleicht der AKW-Experte Pavlovec ziemlich verwundert.

Heuer kein Neustart mehr?
Zwar ist das neuerliche Anfahren des Reaktors von Betreiberseite offiziell unverändert für Ende Juli avisiert – doch hält Radko Pavlovec diesen Zeitplan angesichts der potenzierten Probleme für einen „reinen Wunschtraum“. Ihn würde es „nicht wundern, wenn Temelin heuer gar nicht mehr in Betrieb geht“.

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28.6.2001 13:04