Zahlreiche Verletzte bei heftigen Kämpfen in Hebron

Sharon gibt sich in den USA unnachgibig. Er betonte, Verhandlungen könnten erst fortgesetzt werden, wenn Ruhe in den besetzten Gebieten eingekehrt sei. In der Zwischenzeit wurde Hebron nach Schüssen auf jüdische Siedler völlig abgeriegelt.
Vor seinem Treffen mit US-Präsident George W. Bush am Dienstag in Washington hat Israels Regierungschef Ariel Sharon betont, erst wenn die besetzten Gebiete befriedet seien, könne über ihre Zukunft verhandelt werden. In New York machte Sharon den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat für die Lage verantwortlich und bezeichnete ihn als "Chef einer Terroristenbande". Die palästinensische Führung beharrt ihrerseits darauf, dass Verhandlungen über ein Ende der Gewalt und über die Zukunft der Gebiete gleichzeitig geführt werden müssten.
"Die Regierung Israels wird nicht unter Beschuss und unter der Terrorbedrohung verhandeln", sagte Sharon auf einer Konferenz der Amerikanisch-Israelischen Freundschaftsliga. Kurz vorher waren bei Zusammenstößen am Montag in Hebron zwölf Palästinenser und fünf Israelis verletzt worden. Die Waffenruhe, die der Direktor des US-Geheimdienstes CIA, George Tenet, vor zwei Wochen aushandelte, habe keinen einzigen Tag gehalten. Es genüge nicht, dass Arafat die Flammen drossle, er müsse sie ganz löschen, sagte Sharon. Dazu gehöre die Beschlagnahmung aller illegalen Waffen.
Die Waffenruhe ist als erster Schritt im so genannten Mitchell-Bericht vorgesehen, den die USA und die Europäische Union als Grundlage des weiteren Vorgehens betrachten. Die vom ehemaligen US-Senator George Mitchell geleitete internationale Untersuchungskommission hatte einen Baustopp für die völkerrechtswidrigen jüdischen Siedlungen in den besetzten Gebieten als vertrauensbildende Maßnahme und eine Rückkehr an den Verhandlungstisch gefordert. Die israelische Regierung lehnt dies jedoch ab. US-Außenminister Colin Powell reist am Mittwoch in den Nahen Osten, um den Mitchell-Plan in Gang zu setzen.
Hebron ist abgeriegelt
Nach Schüssen auf jüdische Siedler hat die israelische Armee die Stadt Hebron vollkommen abgeriegelt. Palästinenser dürften weder ein- noch ausreisen, alle Zufahrtsstraßen seien "bis auf weiteres" gesperrt, sagte ein Armeesprecher am Dienstag. Im Zentrum von Hebron leben in einer Enklave rund 400 fanatisierte jüdische Siedler unter dem Schutz hunderter israelischer Soldaten.
Fünf junge Palästinenser haben die israelischen Gefängnisbehörden beschuldigt, sie während monatelanger Haft gefoltert zu haben. Wie die Tageszeitung "Yediot Aharonot" am Dienstag berichtete, wurden die Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren im vergangenen Herbst festgenommen, weil sie angeblich Steine und Molotow-Cocktails auf israelische Soldaten geworfen hatten. Nach ihrer Entlassung klagten sie über regelmäßige Folter. So habe man ihre Köpfe bei Verhören in Toilettenschüsseln gesteckt, sie mit eiskaltem Wasser bespritzt und gezwungen, Eiswürfel zu essen. Einer der Jugendlichen sagte aus, er sei bei einem Verhör nahezu vier Stunden lang immer wieder mit der Peitsche geschlagen worden.
Israelische Sicherheitskräfte haben in der Nacht auf Dienstag im Westjordanland vier mutmaßliche Aktivisten der radikalen Hamas-Organisation festgenommen. Nach palästinensischen Angaben wurden die Männer in einem Dorf nördlich der Stadt Tulkarem überwältigt. Im südlichen Gaza-Streifen explodierte am Dienstag neben einer israelischen Armeepatrouille eine Bombe. Bei dem Anschlag wurde niemand verletzt.
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