Freitag, 29. Juni 2001

SPEZIAL: WELTWIRTSCHAFTSFORUM IN SALZBURG

Vom 1. bis 3. Juli findet im Salzburger Congress Center der Wirtschaftsgipfel des World Economic Forum statt. Alle Seiten bereiten sich auf das Treffen vor: Die Innenminister der EU-Länder suchen nach einer Strategie gegen grenzüberschreitende Gewalt, die radikalen Globalisierungs-Gegner rufen zur allgemeinen Mobilmachung auf und Österreich führt wieder Grenzkontrollen ein. An der bayerischen Grenze wurden bereits sieben Personen abgewiesen.

Vor Beginn des Weltwirtschaftsforums und den befürchteten Demonstrationen autonomer Gruppen in Salzburg sieht sich die bayerische Polizei gut gerüstet. Sie rechnet mit der Anreise gewaltbereiter Personen, wurde am Freitag in München mitgeteilt. Am Grenzübergang Kiefersfelden wurden nach bayerischen Polizeiangaben bereits sieben Personen abgewiesen. Österreich hatte zu Beginn dieser Woche das Schengener Abkommen außer Kraft gesetzt, um an den Grenzübergängen zu Deutschland wieder Personen- und Fahrzeugkontrollen möglich zu machen.

Auf die bayerischen Straßen erwartet die Polizei an diesem Wochenende in Richtung Süden zudem einen Riesen-Andrang von Urlaubern. Allein in sechs deutschen Bundesländern beginnen die Sommerferien. "Dieser Ansturm und die Grenzkontrollen in Österreich werden zwangsläufig zu Behinderungen führen", sagte ein bayerischer Polizeisprecher am Freitag.

Gastronomie extrem verunsichert
Geschäfts- und Lokalinhaber rund um das Salzburger Kongresshaus, dessen Gebiet zur Sperrzone erklärt wurde, sind extrem verunsichert. "Wir überlegen uns, ob wir überhaupt aufsperren sollen". Massive Einbußen werden vor allem bei der Gastronomie, den Bäckereien und Trafiken befürchtet, wie Christoph Fuchs, Referent der WK-Bezirksstelle Salzburg-Stadt, feststellte. Bei der Wirtschaftskammer häufen sich die Anfragen von Tag zu Tag.

Die Unsicherheit ist momentan sehr groß - die Bilder aus Göteborg hatten nicht unwesentlich dazu beigetragen, meinte Fuchs. Es herrscht derzeit eine regelrechte "Hysterie und Nervosität", vieles hat sich einfach verselbstständigt. Aber, so Fuchs: "Eine Bunkerstimmung - wie von vielen angenommen wird - gibt es nicht."

Bis Samstag haben die Geschäfte normal offen, ein Problem bilden aber der Montag und Dienstag. "Die Meisten wollen sich einmal die Entwicklung am Sonntag (Demonstration, Anm.) anschauen und dann entscheiden, ob sie an den beiden darauf folgenden Tagen öffnen", hieß es aus der Wirtschaftskammer.

Aus den Gastronomiebetrieben war zu hören, dass man an den Tagen des Weltwirtschaftsforums "höchst wahrscheinlich" gar nicht öffnen wird. Der Grundtenor: "Es zahlt sich gar nicht aus, dass wir aufmachen." Man muss kalkulieren und kann nicht "einfach so drauf los einkaufen, und wir bleiben dann auf unseren Sachen sitzen", so rund um den Sperrbezirk des Kongresshaus angesiedelte Gastwirte.

Globlisierungs-Gegner machen mobil
Die Globalisierungsgegner haben für sich das Internet entdeckt. Per "Links" schließen sie ihre diversen Sites zu einer gemeinsamen Front zusammen und drohen mit dem virtuellen Pflasterstein.

"Das Internet ist für uns sehr wichtig, denn es kostet uns fast nichts", versichert eine Vertreterin der schwedischen Sektion der "Antifaschistischen Aktion" (Afa). Sie hatte ebenso wie zahlreiche weitere Anhänger an den Krawallen in Göteborg teilgenommen, bei denen drei Demonstranten angeschossen, Dutzende verletzt wurden und das Stadtzentrum einem Schlachtfeld glich. Die Ausschreitungen überschatteten die vorherige friedliche Demonstration von 14.000 Globalisierungsgegnern und deren nachdenklichen Parolen.

29.6.2001 17:55