Umfrage unter 500 größten Unternehmen Österreichs

Für mehr als die Hälfte österreichischer Firmen ein "ernsthaftes Problem": Wirtschaftskriminalität verursacht Unternehmen, Aktionären und Lieferanten in Österreich einen Schaden von 20 bis 25 Mrd. S (1,45 bis 1,8 Mrd. Euro) pro Jahr. Darin sind noch nicht die Fälle von Steuerhinterziehung enthalten.
Eine Umfrage der Wirtschaftsprüfer und Steuerberatungsgesellschaft KPMG unter den 500 größten Unternehmen Österreichs im Februar 2001 ergab, dass für mehr als die Hälfte der Firmen Wirtschaftskriminalität ein "ernstes Problem" ist.
Hinter Unternehmenskrise stecken oft unerkannte Wirtschaftskrimis
Häufig wird gar nicht erkannt, dass hinter einer Unternehmenskrise oder einem Vermögensverlust wirtschaftskriminelles Handeln steht, erklärten Peter Humer und Gert Weidinger, die am Dienstag eine neue Studie zur Wahrnehmung von Wirtschaftskriminalität in Österreich vorlegten.
37 Prozent der Unternehmen wurden nach eigenen Angaben in den vergangenen fünf Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen, 19 Prozent der Fälle ereigneten sich im Ausland. Für etwas mehr als 57 Prozent der Firmen (bei der letzten Umfrage 1998: 50 Prozent) stellt Wirtschaftskriminalität ein "ernsthaftes Problem" dar, wobei kurioserweise nur eine Minderheit glaubt, dass die Gefahr im eigenen Haus besteht.
Fall Riegerbank oder Steiner-Pleite sind nur die Spitze des Eisbergs
60 Prozent der betroffenen Firmen konnten nach eigenen Angaben im Vorfeld keine Warnsignale feststellen. Dies zeigt für die KPMG-Experten, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich sehr hoch sein dürfte. Spektakuläre Fälle wie Riegerbank, der Kreditbetrugsfall bei der Bank Burgenland oder die Causa Steiner sind nach Meinung von Humer "nur die Spitze des Eisbergs".
Strafrechtliche Verfolgung nur in rund 50 Prozent der Fälle
Zu wünschen übrig lässt in Österreich die Konsequenz nach unternehmensinterner Aufdeckung von "Wirtschaftskrimis": 85 Prozent der betroffenen Firmen hatten zwar die kriminellen Mitarbeiter entlassen oder gekündigt, jedoch nur rund 50 Prozent strafrechtlich verfolgt. Nur 30 Prozent der Firmen brachten Schadenersatzklagen ein, noch geringer waren die Schadensmeldungen bei der Versicherung (15 Prozent). Für KPMG "sicher keine Botschaft" bzw. eine schlechte präventive Wirkung gegenüber anderen Mitarbeitern.
Einschätzung der Wirtschaftskriminalität ist in Österreich Chefsache
Im Vergleich zu anderen Ländern zeigt sich in Österreich, dass die Einschätzung der Wirtschaftskriminalität "Chefsache" ist: 54 Prozent der retournierten Fragebögen (der Rücklauf betrug insgesamt 30 Prozent) wurden vom Vorsitzenden bzw. einem Mitglied des Vorstands bzw. der Geschäftsführung ausgefüllt. In anderen Ländern lag dieser Wert erheblich darunter. Wirtschaftskriminalität beginnt beim "Griff von Kassierern in die Kassa und reicht bis zu groß angelegten Bilanzmanipulationen, wobei die weitaus größeren Schadenssummen durch Malversationen leitender Angestellter verursacht werden.
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