Lieferanten sollen strategische Aktionäre werden

Im Tauziehen um die Zukunft der angeschlagenen Medien- und Buchhandelskette Libro liegt der Ball nun bei den Gläubigerbanken. Der Kreditschutzverband von 1870 (KSV), der eine Verbesserung für die rund 800 Lieferanten ausgehandelt hat, fordert von den involvierten Kreditinstituten ein "klares Signal" dafür, dass eine außergerichtliche Sanierung unter der Mitwirkung der Banken auch wirklich möglich ist.
Die Lieferanten, bei denen Libro mit rund 730 Mill. S (53,1 Mill. Euro) in der Kreide steht, hatten, so Insolvenzexperte Hans-Georg Kantner Wohlwollen gezeigt. Ohne positive Signale von den Gläubigerbanken wird sich weder ein Interessent finden noch werden alle Lieferanten dem ausgehandelten Angebot zustimmen. Wie berichtet sollen die rund 100 Großlieferanten 50 Prozent nachlassen, die kleinen Lieferanten bis 1,5 Mill. S sollen voll befriedigt werden.
Wie Kantner betonte, muss bis längstens Ende dieser Woche entschieden werden, ob und mit welchem Libro-Interessenten weiter verhandelt wird.
Von den knapp 4 Mrd. S Verbindlichkeiten, die Libro angehäuft hat, entfallen 2,3 Mrd. S (unbesichert) auf Banken. Selbst bei Forderungsnachlässen von rund 50 Prozent müsste in das Unternehmen frisches Geld von mehr als 1 Mrd. S fließen. Davon entfallen rund 325 Mill. S auf Schließungskosten, 300 Mill. S auf Quotenzahlungen an die Lieferanten und etwa 400 Mill. S auf die Anschaffung von Ware.
Bis jetzt liegen den Banken konkret zwei Angebote für die angeschlagene Handelskette vor: Neben dem Vorstandsvorsitzenden der Yline AG Werner Böhm gemeinsam mit FPÖ-nahen steirischen Industriellen hat die Schweizer Eurobooks ein Offert abgegeben. Böhm hat darüber hinaus heute den Lieferantengläubigern ein Besserungsschein-Modell angeboten.
Nach wie vor überlegt wird auch eine Auffanglösung durch die Banken. Laut "Wirtschaftsblatt" wurde bereits die Deutsche Bank in den Lenkungsausschuss aufgenommen. Diese sei schon bei der Rettung von Ankerbrot hilfreich gewesen und könnte auch diesmal den Rettungsanker spielen.
Bieter-Konsortium will Lieferanten zu strategischen Aktionären machen
Das an der angeschlagenen Buch- und Medienhandelskette Libro interessierte Konsortium um den Vorstandsvorsitzenden der börsenotierten YLine AG, Werner Böhm, und den steirischen Industriellen Ernst Hofmann hat heute ein Angebot für die Libro-Lieferanten gelegt, bestätigte YLine-Pressesprecher Willi Berner. Das Übernahmeangebot der Gruppe läuft morgen aus, heute um 17 Uhr soll es zwischen den Konsortialführern Böhm und Hofmann und dem Libro-Eigentümervertreter Thomas Scheiner ein erstes Gespräch geben.
Das Bieterkonsortium rund um Hofmann/Böhm bietet den Lieferanten eine wesentliche Besserstellung, indem die Lieferanten zu strategischen Aktionären gemacht werden, heißt es in dem Angebot an die Lieferanten. Von den 50 Prozent der offenen Forderungen, auf die die Lieferanten im Schnitt laut Vereinbarung mit dem KSV verzichten, könnten insgesamt 60 Prozent (also 30 Prozent des Gesamtbetrages) in Libro-Aktien umgewandelt werden. Diese Aktien werden von den Konsortialpartnern an die Lieferanten abgegeben. Vorausgesetzt, dass Libro tatsächlich saniert wird, werden die Lieferanten dadurch maximal 20 Prozent verlieren, heißt es weiter. Sollte die Aktie wieder zu alten Kursniveaus zurückfinden, könnten die Lieferanten sogar Geld verdienen.
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