Dienstag, 19. Juni 2001

3,4 % = höchster Wert seit 1993

Die Inflation ist in Österreich im Mai auf 3,4 Prozent geklettert und hat damit den höchsten Wert seit 1993 erreicht. Zwei Faktoren ortet der Wifo-Experte Ewald Walterskirchen hinter der derzeit hohen Inflationsrate: die angestiegenen Treibstoffpreise sowie die BSE-Krise.

Beide Faktoren seien nicht nur in Österreich, sondern in der ganzen EU zu beobachten - daher würden sich die Inflationsraten auch parallel entwickeln, so Walterskirchen Montag Abend in der "Zeit im Bild 2".

Je ein Fünftel der Jahres-Inflation wird laut Statistik Austria durch die drei Bereiche Wohnen (hier vor allem Haushaltsenergie wie Gas und Strom), Verkehr und Ernährung verursacht. Auch die Einführung der Ambulanzgebühr schlägt merklich auf den VPI durch. Für Juni erwartet die Statistik Austria jedoch einen Rückgang der Inflationsrate, da im Juni vor einem Jahr die Anhebung der Kfz-Steuer erfolgte und diese Erhöhung ab Juni d.J. nicht mehr indexwirksam ist.

Gegenüber dem Vormonat April 2001 erhöhte sich das allgemeine Preisniveau in Österreich um 0,2 Prozent: Der Verbraucherpreisindex (VPI; 2000=100) legte von 102,5 auf 102,7 zu. Der Anstieg erklärt sich zur Hälfte aus der neuen Ambulanzgebühr und zur anderen Hälfte aus der Erhöhung der Treibstoffpreise. Den signifikantesten Rückgang gab es bei Flugtickets (-12 Prozent) nach einer Steigerung von 17 Prozent in der Osterwoche. Starke saisonale Schwankungen gab es bei Gemüsesorten, die teils erheblich teurer, teils billiger wurden.

Die neue Ambulanzgebühr wird gemäß vorläufigen Berechnungen jeden Haushalt im Jahr im Durchschnitt mit zirka 270 Schilling (19,6 Euro) belasten und erhöht die Inflationsrate um 0,12 Prozentpunkte, so die Statistik Austria.

Im Bereich Wohnen hat sich im Jahresabstand vor allem die Haushaltsenergie verteuert (+8 Prozent): Strom ist um 8 Prozent teurer als vor einem Jahr, Gas sogar um 15 Prozent, flüssige Brennstoffe um 10 Prozent, Fernwärme um 4 Prozent. Zusammen verursachten diese Bereiche ein Zehntel der Inflationsrate.

Bei der Ernährung waren vor allem Fleisch (insgesamt +8 Prozent, Schweinefleisch +13 Prozent), aber auch Obst und Gemüse für den Preisanstieg verantwortlich.

Im Sektor Verkehr (+4,7 Prozent) sind laut Statistik Austria nach wie vor die Verkehrsabgaben (Kfz-Steuer und Autobahnvignette) hauptverantwortlich für den Inflationsbeitrag. Treibstoffe und Schmiermittel waren im Mai um 5 Prozent teurer als ein Jahr davor.

Die Inflationsrate des für die Europäische Währungsunion berechneten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreichs lag im Mai mit 2,9 Prozent im Jahresabstand neuerlich unter dem VPI, aber deutlich höher als zuletzt. Im April hatte der heimische HVPI im Jahresabstand um 2,6 Prozent zulegt, im März um 1,9 Prozent.

19.6.2001 12:20