Jungstar Webb bei WM nur Zuschauer

Supersprinterin Marion Jones sorgte am Samstag mit ihrer Jahresweltbestzeit über 200 m für den Höhepunkt der US-Leichtathletik-Meisterschaften in Eugene. Sie ließ sich die Show vom bereits überschwänglich als neuen Superstar gepriesenen Alan Webb nicht stehlen.
Eine Stunde nachdem der von den Medien hochgejubelte Teenager über 1.500 m als Fünfter den erwarteten Sieg und die Qualifikation für die Weltmeisterschaften im August in Edmonton (3.-12.8.) deutlich verpasst hatte, rückte die dreifache Olympiasiegerin mit locker herausgelaufenen 22,23 Sekunden die Verhältnisse wieder zurecht.
"Ich kann es noch. Meinen Rhythmus habe ich zurückgefunden", bilanzierte die dreifache Olympiasiegerin von Sydney überglücklich und kündigte für das Finale am Sonntag (Ortszeit) einen noch schnelleren Lauf an.
"Webbmania"
Der 18-jährige Webb kam dagegen nach seiner Endzeit von 3:38,26 Minuten zu der bitteren Erkenntnis: "Das war heute nicht mein Tag." Vor vier Wochen hatte er auf eben jener Anlage über die Meile die 36 Jahre alte Highschool-Bestzeit auf 3:53,43 Minuten verbessert und galt seitdem als größter US-Hoffnungsträger über die Mittelstrecken. Mit seinem Rekordlauf löste der Blondschopf eine regelrechte "Webbmania" aus, sogar Präsident George Bush traf sich mit ihm.
1.500-m-Finale vorverlegt
Seiner unheimlich anmutenden Popularitäts-Explosion trug auch der US-Verband kurzerhand Rechnung, indem er das 1.500-m-Finale um zwei Stunden vorverlegte. Der TV-Sportkanal "ESPN" wollte den Lauf als einzigen Wettbewerb live übertragen. Die Kameras waren dabei stur auf den jungen Burschen aus Reston in Virginia gerichtet. Und auch nach dem Rennen wollte keiner mit dem Sieger Andy Downin (3:37,63) oder den anderen Finalisten sprechen, sondern nur mit Webb, der später eingestand: "Das war alles ein bisschen zu viel des Guten."
Dragila mit "müden Beinen"
Ansprechende Leistungen produzierten am Samstag vor nur 9.000 Zuschauern auf dem "Hayward Field" andere: Stabhoch-Olympiasiegerin Stacy Dragila, die vor zwei Wochen ihren Weltrekord auf 4,81 m schraubte, gewann mit "müden Beinen" mit 4,62 m, eine Marke, die zwei Zentimeter über dem erst am Samstag verbesserten Europarekord der Russin Swetlana Feofanowa liegt.
Taylor über 400 m Hürden souverän
Olympiasieger Angelo Taylor war über 400 m Hürden in 48,53 Sekunden nicht zu schlagen. Ex-Weltmeister Antonio Pettigrew setzte sich über die Stadionrunde in 45,08 Sekunden durch und Diskuswerfer Adam Setliff verhinderte mit 66,85 m den Doppelerfolg des Zweitplatzierten John Godina (65,39), der am Vortag das Kugelstoßen mit 21,60 m für sich entschieden hatte.
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