Schotterreiche Rallye könnte zum Reifenpoker werden

Die 6. Castrol-Rallye am Freitag und Samstag im Raum St. Veit/Glan ist der vorläufige Höhepunkt der österreichischen Rallye-Meisterschaft 2001. Im letzten Lauf vor der Sommerpause sind im Rekordfeld von 107 Autos aus fünf Ländern erstmals heuer gleich fünf World-Rallye-Cars am Start.
Dazu kommt die höchste internationale Beteiligung, die längsten Sonderprüfungen am Stück und der höchste Schotteranteil (30 Prozent). Weil aber reinrassige Schotterreifen verboten sind, wird die Rallye vermutlich zum Reifenpoker.
Im Mittelpunkt des fünften ÖM-Laufs steht das Duell um die Gesamtführung zwischen Franz Wittmann (Toyota WRC/67 Punkte) und Vorjahressieger Raphael Sperrer (Peugeot WRC/55). Die Konkurrenz für die Spitzenfahrer ist jedoch bei diesem Saison-Highlight entscheidend stärker geworden. Denn während bei den bisher vier Meisterschaftsläufen mit Wittmann, Sperrer und Raimund Baumschlager (Ford WRC) jeweils drei World-Rallye-Cars am Start waren, wird durch die Teilnahme von Kris Rosenberger (Seat WRC) und Lokalmatador Achim Mörtl (Subaru WRC) aus dem Trio in Kärnten ein Quintett.
Wittmann will seine Führung unbedingt über die Sommerpause retten. "Die beiden jüngsten Siege haben mir enormes Selbstvertrauen gegeben und es belächelt mich niemand mehr, wenn ich sage, dass ich wieder gewinnen will", gibt sich der 52-jährige Routinier, der in Kärnten Sieg Nummer 77 anpeilt, kampflustig. "Aber für die weitere Führung ist ja ein Sieg gar nicht unbedingt nötig." Sperrer gab sich gelassen, obwohl sein Peugeot erst Sonntag von der ungarischen Meisterschaft zurück kam. "Es werden in der ÖM nur sieben von neun Läufen gewertet, also liegen genau genommen Franz und ich mit je zwei Siegen voran." Auch Baumschlager ist zuversichtlich, betont aber: "Wir fahren nach wie vor nicht mit 2001-er-Material."
Den Rücktritt vom Rücktritt feiert in Kärnten Ex-Staatsmeister Rosenberger. "So richtig losgelassen hat mich das Rallye-Fieber nie. Als ich hörte, dass Seat heuer nur zwei Läufe bestreiten will, war ich gleich Feuer und Flamme", erklärte der 32-Jährige, der sich eigentlich nur noch auf seine Tätigkeit als Familienvater sowie motorsportlicher Leiter von KTM konzentrieren wollte. Von jener Strecke, auf der Rosenberger 1997 gewonnen hat, ist relativ wenig übrig geblieben. "Im Augenblick kenne ich die Rallye nur aus den Unterlagen. Positiv aufgefallen ist mir der recht hohe Schotteranteil", meinte der Niederösterreicher, der mit seinem Seat WRC Evo 3 ins Rennen um die Podestplätze eingreifen möchte.
Mörtl, der vor wenigen Wochen nach seinem Schlüsselbeinbruch operiert werden musste, will sich den Frust von der Seele fahren: "Auf Grund meines Mountainbike-Unfalls musste ich das gesamte Programm ändern. Dabei blieben die WM-Läufe von Zypern und Griechenland auf der Strecke, jetzt möchte ich wieder Selbstvertrauen für den Rest der Saison tanken. Meine Devise lautet, schnell und fehlerlos sein, um am Ende die Rallye zu gewinnen."
Das Risiko eines Reifenschadens ist für die Piloten hoch. Da auch teilweise zwischen den Prüfungen Serviceverbot besteht, haben Fahrer und Beifahrer nur die Möglichkeit, die selbst im Auto mitgeführten Reserve-Reifen zu montieren. Jedes mit an Bord befindliche Stück bedeutet jedoch zusätzliches Gewicht, deswegen müssen die Spitzenteams das Gewichts-Risiko abwägen. Allein die ersten drei Prüfungen zum Auftakt bringen für die Piloten fast 45 Kilometer mit höherem Schotteranteil, wobei die Annahme von Service verboten ist.
Programm der 6. Castrol-Rallye:
Gesamtkilometer: 432,46
SP-Kilometer: 204,88
Anzahl der SP: 16.
Freitag:
13:00 Uhr Start auf dem Hauptplatz St. Veit
6 Sonderprüfungen
20:00 Uhr Ziel der 1. Etappe in St. Veit
Samstag:
7:15 Uhr Start zur 2. Etappe
10 Sonderprüfungen
17:37 Uhr Ende der Rallye auf dem Hauptplatz St. Veit.
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