Mittwoch, 20. Juni 2001

Salzburger war nach LASK-Abstieg deprimiert

Nach der Verpflichtung des tschechischen Trainers Frantisek Cipro fiel in den Reihen von Fußball-Erstdivisionär LASK am Dienstag eine weitere personelle Entscheidung. In einer Aussprache mit Klubpräsident Peter-Michael Reichel und Sportdirektor Johann Kondert teilte Wolfgang Feiersinger mit, dass er seine Karriere beendet. Er möchte dem Fußball aber nebenberuflich auch weiterhin erhalten bleiben; in welcher Form ist vorerst jedoch noch ungewiss.

Mit Feiersinger verabschiedet sich einer der Großen vergangener Jahre von der Fußball-Bühne. "Ich war nach dem Abstieg aus der max.Bundesliga sehr deprimiert, und finde jetzt nicht mehr die Kraft, mich noch einmal zu motivieren, um den sofortigen Wiederaufstieg mit dem LASK zu schaffen", sagte der 36-jährige Libero zu seinem Entschluss. Die Athletiker bedauerten diese Entscheidung, sie hätten den routinierten Ex-Internationalen aus Saalfelden gerne auch noch in der Ersten Division gesehen.

Von Dortmund nach Linz
Feiersinger war im Mai des Vorjahres von Borussia Dortmund nach Linz gewechselt und hatte dort einen Ein-Jahres-Vertrag mit Option erhalten. Der Abwehr- und Mittelfeldspieler, der 1996/97 vom SV Salzburg nach Deutschland übersiedelt war, hatte in den Reihen des fünffachen deutschen Meisters in Wellental der Gefühle erlebt. 1997 stieß er mit dem BVB bis in Münchner Champions League-Endspiel vor, wurde aber beim 3:1-Erfolg über Juventus Turin vom damaligen Trainer Ottmar Hitzfeld aus taktischen Gründen auf die Tribüne verbannt.

Weltcup-Finale
Unter Hitzfeld-Nachfolger Nevio Scala ging es mit dem Österreicher wieder steil bergauf. Der Italiener hatte große Stücke auf Feiersinger gehalten, indem er ihn als "besten Libero der deutschen Bundesliga" bezeichnete und den Ausspruch "nur Gott ist perfekt, aber Wolfgang ist es als Spieler" tat. Während de Scala-Ära fiel auch der 2:0-Erfolg im Weltcup-Finale gegen Cruzeiro Belo Horizonte, in dem der "Sali" im Dezember 1997 zu den besten Spielern zählte. Doch mit der Bestellung von Michael Skibbe im Mai 1998, wurden die Einsätze des Legionärs wieder weniger.

WM 1998
Trotzdem zählte der Salzburger während der WM-Endrunde 1998 in Frankreich zu den besten ÖFB-Akteuren. Das 46. und letzte Mal zu Teamehren kam er am 28. April 1999 beim 7:0-Heimsieg in der EM-Qualifikation gegen San Marino in Graz. Feiersinger wurde danach auch in den vorläufigen 22-Mann-Kader für das Irsrael-Spiel einberufen, aber kurz vor dem Abflug nach Tel Aviv mangels Spielpraxis von ÖFB-Teamchef Otto Baric wieder entlassen.

UEFA-Cup-Finale mit Salzburg
Auch auf Klubebene brachte es der Ex-Internationale zu etlichen Erfolge. Der gelernte Polizist war Mitglied jener großen Salzburger Elf, die zwei Meistertitel (1994 und 1995) sowie 1994 den sensationellen Einzug ins UEFA-Cup-Finale gegen Inter Mailand schaffte. In der Saison 1994/95 scheiterten Feiersinger und Co in der Gruppen-Phase der Champions League u.a. am späteren Sieger Ajax Amsterdam und den Finalisten AC Milan nur ganz knapp. Damals qualifizierten sich die Salzburger als erster ÖFB-Klub für die neue "Millionen-Liga".

20.6.2001 09:17