Dienstag, 19. Juni 2001

Teamchef Meza mit dem Rücken zur Wand

Lange Zeit war das mexikanische Fußball-Nationteam in Nord- und Mittelamerika eine feste Größe. Bei der WM-Endrunde 1998 in Frankreich kam erst im Achtelfinale gegen Deutschland das Aus. Ein Jahr später gewannen die Mexikaner vor heimischem Publikum im Finale gegen Brasilien sogar den Konföderationen-Cup. Nun bangen sie um die WM-Teilnahme im nächsten Jahr.

Nach der 1:2-Heimniederlage im WM-Qualifikationsspiel gegen Costa Rica am vergangenen Wochenende ist fraglich, ob die "Tri", wie die Elf nach den drei Nationalfarben Grün-Weiß-Rot genannt wird, bei der WM-Endrunde überhaupt dabei ist.

Am Mittwoch gegen Honduras
In der Finalgruppe des Fußball-Verbandes Nord-, Mittelamerika und Karibik (CONCACAF) stehen die Mexikaner jetzt hinter den USA, Costa Rica, Honduras und Jamaika nur auf dem vorletzten Platz vor Trinidad und Tobago. Und ehe sie sich von dem Schock vom Samstag erholt haben, müssen sie am Mittwoch in Tegucigalpa gegen Honduras antreten. Nach zuletzt fünf Niederlagen in Serie muss ein Sieg her, um einen der ersten drei Tabellenplätze, die das Ticket nach Japan und Südkorea bedeuten, zurückzugewinnen.

Moral am Boden
Doch die Moral der Spieler von Enrique Meza ist am Boden. "Sie haben schon Geschichte gemacht", schrieb die Zeitung "Reforma" und spielte damit darauf an, dass die Niederlage vom Samstag die erste Heimniederlage in einem WM-Qualifikationsspiel war. "Ohne ein klares Spielkonzept mit Spielern, denen das Nationaltrikot zu schwer ist, wertet sich die Mannschaft von Spiel zu Spiel ab", schrieb "El Financiero".

Einig sind einander die Kommentatoren, dass die häufigen Trainer-Wechsel der vergangenen zehn Jahre der "Tri" nicht gut getan haben. Meza, dessen Stuhl jetzt wackelt, hatte den Posten im September 2000 von Manuel Lapuente übernommen. Der hatte Mexiko 1998 und 1999 zu großen Erfolgen geführt. Als er dann nach einigen Ausrutschern in die Schusslinie der Kritik geriet, warf er verärgert das Handtuch.

Trainer unter Beschuss
Meza, der von Spiel zu Spiel experimentiert, ist es bisher nach übereinstimmender Meinung seiner Kritiker nicht gelungen, eine homogene Mannschaft zusammenzustellen. "Meza hat die Führung der Tri in dem Augenblick verloren, in dem er sie übernahm oder, besser gesagt, er hat sie nie gehabt", schrieb die Zeitung "La Jornada". Schon während des Konföderationen-Cups in Südkorea Anfang des Monats war der Titelverteidiger Mexiko unter die Räder gekommen. Alle drei Vorrunden-Spiele gingen verloren.

Kampfgeist fehlt
Gegen Costa Rica überraschte das Fehlen jedes Kampfgeists. Hatte die "Tri" in ihren besseren Zeiten in wichtigen Spielen oft Rückstände wettgemacht, trat am Samstag das Gegenteil ein. Nach einer frühen 1:0-Führung baute die Elf in der zweiten Hälfte stark ab. Costa Ricas Stürmer-Star, der frühere Rapidler Hernan Medford, der schon vor dem Spiel getönt hatte, dass Mexiko nicht mehr der "Riese" der Region sei, bestätigte seine Worte mit dem Siegtreffer im Azteken-Stadion.

Verbandschef stärkt Trainer den Rücken
Das Honduras-Spiel im Auge, stärkte Mexikos Verbandschef Alberto de La Torre dem viel gescholtenen Trainer nach der Niederlage den Rücken, und auch die Spieler stellten sich hinter Meza. Für den Fall, dass Mexiko am Mittwoch erneut verlieren sollte, kündigte de La Torre aber schon einmal eine Krisensitzung des Nationalelf-Ausschusses an, "bei der alles passieren kann."

19.6.2001 13:00