Südafrikaner bleibt bescheiden

Auch im Moment seines Triumphes blieb sich Retief Goosen treu. Nachdem er im Stechen der 101. US Open der Profigolfer zum Sieg bringenden Bogey eingeputtet hatte, holte er den Ball seelenruhig aus dem 18. Loch. Dann nahm seine Kappe vom Kopf, lächelte und nahm die Glückwunsche seines Kontrahenten entgegen.
Dass der 32-jährige Südafrikaner soeben im Southern Hills Country Club von Tulsa das schwierigste Golfturnier der Welt gewonnen und die Nachfolge von Tiger Woods angetreten hatte, war seinen Reaktionen nicht zu entnehmen.
Selbst als er wenig später die Silbertrophäe nebst Sieger-Scheck von 900.000 Dollar (1,049 Mio. Euro/14,4 Mio. S) überreicht bekam, wirkte er ruhig und gefasst. "Du stehst am Abschlag und kannst es eigentlich nicht glauben, dass du ihn bei den US Open machst. Ich fühlte mich ähnlich wie bei anderen gewonnenen Turnieren, nur dass ein bisschen mehr Druck da war. Es war eine große Erleichterung, als es vorbei war", beschrieb Goosen seine Emotionen, nachdem er den US-Amerikaner Mark Brooks am Montagnachmittag auf dem Par-70-Kurs in der erforderlichen Zusatzrunde mit 70:72 Schlägen bezwungen hatte.
Putt-Drama
Mit 24-stündiger Verspätung holte er damit nach, was er am Sonntag am letzten Loch im vermutlich verrücktesten Putt-Drama der 101-jährigen US-Open-Geschichte leichtfertig verspielt hatte. Zwei Mal war es dem großen Unbekannten aus Johannesburg mit Zweitwohnsitz in Sunninghill/England nicht gelungen, den Ball aus gut drei Metern einzulochen. Zum 32. Mal musste damit der Gewinner durch ein Stechen ermittelt werden, da Goosen und Brooks schlaggleich (276) an der Spitze lagen.
Selbstsicherer Goosen
Am dritten Loch ging Brooks, der seinen bedeutendsten Erfolg als Sieger der PGA Championship 1996 feierte, mit einem Birdie in Führung. Doch je länger das Duell dauerte, um so selbstsicherer präsentierte sich Goosen. Während seine gefühlvollen Putts am sechsten, neunten und zehnten Loch mit Birdies belohnt wurden, leistete sich sein acht Jahre älterer Herausforderer aus Texas am siebten, neunten und zehnten Loch jeweils Bogeys, wodurch er mit fünf Schlägen vorentscheidend in Rückstand geriet. Leichtes Nervenflattern überkam Goosen noch einmal an den beiden Schlusslöchern, doch auch zwei Bogeys waren nicht mehr in der Lage, den größten Triumph seiner Karriere zu verhindern.
"Retief am konstantesten"
"Retief spielte die ganze Woche am konstantesten. Er hatte den Sieg schon am Sonntag verdient. Ich freue mich für ihn", zeigte sich Brooks als fairer Verlierer. Als Trost blieb ihm eine Prämie von 530.000 Dollar (617.644 Euro/8,5 Mio. S). Goosen konnte den Stolz über seinen Triumph kaum beschreiben. "Es ehrt mich unheimlich, das mein Name auf dem Pokal jetzt neben Arnold Palmer, Tiger Woods und Payne Stewart steht", betonte der 44. der Weltrangliste.
Vor 15 Jahren wäre er beim Golfspielen durch einen Blitzschlag beinahe getötet worden. Vor zwei Jahren hatte sich der seit zwei Monaten verheiratete Profi beim Skifahren in der Schweiz den linken Arm gebrochen. "Jetzt ist meine Welt so richtig in Ordnung", meinte Goosen, der als Elfjähriger bei seinem Vater das Golfspiel erlernt hatte.
"The golden Goosen"
Bisher trat Goosen nur auf der European Tour, wo er seit seinem Profi-Einstieg vor elf Jahren vier Turniere gewann, und der South African Tour (sieben Erfolge) in Aktion. Mit dem Bonus eines US-Open-Champions winken ihm jetzt viele interessante Offerte. Noch kann sich allerdings "The golden Goosen" ("Die goldene Gans"), wie ihn die "Los Angeles Times" betitelte, nicht vorstellen, was dieser Erfolg für ihn bedeutet. "Ich weiß nur, dass ich letztes Jahr sehr gereift bin und in der letzten Woche viel über mich gelernt habe. Vor allem, dass ich unter Druck gut spielen kann", bemerkte Goosen in seiner typisch bescheidenen Art.
| Endstand der 101. US Open der Profigolfer in Tulsa |
| 1. | Retief Goosen (RSA) | 276 Schläge (66+70+69+71) |
| 2. | Mark Brooks (USA) | 276 (72+64+70+70) |
Goosen gewann am Montag das Stechen über eine ganze Runde 70:72
| 3. | Stewart Cink (USA) | 277 (69+69+67+72) |
| 4. | Rocco Mediate (USA) | 278 (71+68+67+72) |
| 5. | Tom Kite (USA) | 281 (73+72+72+64) |
| | Paul Azinger (USA) | 281 (74+67+69+71) |
| 7. | Vijay Singh (FIJ) | 282 (74+70+74+64) |
| | Angel Cabrera (ARG) | 282 (70+71+72+69) |
| | Davis Love III (USA) | 282 (72+69+71+70) |
| | Kirk Triplett (USA) | 282 (72+69+71+70) |
| | Phil Mickelson (USA) | 282 (70+69+68+75) |
| 12. | Tiger Woods (USA) | 283 (74+71+69+69) |
| | Matt Gogel (USA) | 283 (70+69+74+70) |
| | Michael Allen (USA) | 283 (77+68+67+71) |
| | Sergio Garcia (ESP) | 283 (70+68+68+77) |
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