Sonntag, 24. Juni 2001

Regierung: Rebellen gaben Stellungen auf

Die mazedonischen Regierungstruppen und die albanischen Rebellen der "Nationalen Befreiungsarmee" (UCK) haben sich am Sonntag auf eine Feuerpause in dem umkämpften Ort Aracinovo unweit der Hauptstadt Skopje geeinigt. Das gab der Hohe Repräsentant für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU, Javier Solana, bekannt.

Die Rebellen gaben offenbar ihre Stellungen in Aracinovo auf. Der UCK-"Kommandant Hoxha" sagte, seine Kämpfer hätten die Anweisung zum Rückzug aus dem Vorort erhalten. Aus Regierungskreisen verlautete, dass die Rebellen in Aracinovo weiße Flaggen gehisst hätten und über die Bedingungen für eine Kapitulation verhandeln würden. "Hoxha" wies diese Darstellung zurück. Die UCK-Kämpfer würden sich nur in den nahe gelegenen Ort Matajce zurückziehen, um dort auf die Ankunft von NATO-Truppen zu warten.

Zuvor hatten Regierungstruppen mit Unterstützung von Kampfhubschraubern und schwerer Artillerie ihre Offensive fortgesetzt. NATO-Generalsekretär George Robertson hatte den Bruch der Waffenruhe durch die Regierungsstreitkräfte als "absoluten Wahnsinn" bezeichnet. Die Polizei erklärte, drei Mitglieder einer Spezialeinheit seien am Samstagabend bei Gefechten getötet worden. Neun Polizisten wurden verwundet. Die Armee hatte am Samstag nach eigenen Angaben rund ein Drittel von Aracinovo eingenommen; die UCK hatte den Ort Anfang Juni erobert.

Solana unterstrich die Notwendigkeit, den politischen Dialog fortzusetzen. Die Gespräche zwischen slawischen und albanischen Parteien waren vor einigen Tagen gescheitert. Staatspräsident Boris Trajkovski hatte den albanischen Parteien vorgeworfen, mit den UCK-Rebellen gemeinsame Sache zu machen und eine internationale Intervention herbeiführen zu wollen.

Der EU-Außenministerrat soll am Montag in Luxemburg über die Lage in Mazedonien mit Vertretern der slawischen und albanischen Parteien beraten. Die Außenminister wollten die beiden Seiten auffordern, ein Friedensabkommen zu schließen. Der Befriedungsplan von Präsident Trajkovski sieht die Entwaffnung der UCK und eine Amnestie vor, schließt aber eine Föderalisierung des Balkanlandes oder ein regionales Autonomiestatut für die Albanergebiete aus.

Die albanischen Parteien vertreten den Standpunkt, dass ihre Volksgruppe als Minderheit diskriminiert ist. Die Albaner, die zwischen einem Viertel und einem Drittel der Bevölkerung des Landes ausmachen und sich als "Bürger zweiter Klasse" fühlen, fordern die Anerkennung als "zweites Staatsvolk", eine ihrem Bevölkerungsanteil entsprechende Berücksichtigung in der staatlichen Verwaltung und die Gleichberechtigung der albanischen Sprache.

24.6.2001 17:29