Samstag, 23. Juni 2001

Vermutlich zwei Abu Sayyaf-Geiseln unter den Toten

Die Polizei auf der philippinischen Insel Basilan hat die geköpften Leichen zweier Geiseln entdeckt, die von der extremistischen Moslemgruppe Abu Sayyaf entführt wurden.

Sie sind offenbar erst Samstag früh (Ortszeit) ermordet worden. Die Köpfe fehlten. Im Osten der Insel wurden zwei weitere kopflose Leichen gefunden worden. Sie konnten bisher nicht identifiziert werden. Es ist daher unklar, ob es sich um Geiseln handelte. Die Gruppe hält vermutlich noch knapp zwei Dutzend Personen in ihrer Gewalt.

Bereits 8 Enthauptungen
Bei den beiden enthaupteten Geiseln handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen Arbeiter und einen Wachmann einer Kokosnussplantage, die Anfang des Monats im Süden des Inselstaates verschleppt worden waren. Mit den jüngsten Leichenfunden stieg die Zahl der Enthaupteten auf acht, seit vor einem Monat rund 5.000 Soldaten begonnen haben, die Insel nach den Rebellen zu durchkämmen.

Die beiden jüngsten Opfer sind mit gefesselten Händen nahe der Inselhauptstadt Isabela gefunden worden. Auf dem Hemd eines der Getöteten habe in Blut geschrieben gestanden: "Commander Robot ist hier, um Köpfe abzuschlagen". Commander Robot war der Anführer des Abu-Sayyaf-Kommandos, das im vergangenen Jahr ausländische Touristen verschleppt hatte.

Auch dritte US-Geisel tot?
Das Militär hält es für wahrscheinlich, dass eine dritte US-Geisel inzwischen tot ist. Die Geiselkrise hatte am 27. Mai begonnen, als die Abu Sayyaf aus einer Hotelanlage auf der Insel Palawan ursprünglich 20 Menschen entführte, unter ihnen auch die drei amerikanischen Touristen. Derzeit sind rund 5000 Sicherheitskräfte auf der Insel Basilan in Einsatz.

Keine Spur von Entführern
Seit fast einer Woche fehlt allerdings jede Spur von den Kidnappern. Auch der Leichnam des Amerikaners, den die Rebellen nach eigenen Angaben vor knapp zwei Wochen enthauptet haben, wurde bisher nicht gefunden.

Am Freitag schlug eine Granate in einem Vorort der Stadt Isabela ein. Es hat keine Verletzten gegeben. Bei dem Angriff hat es sich möglicherweise um ein Ablenkungsmanöver oder eine Warnung der Abu Sayyaf gehandelt.

23.6.2001 21:22