Sonntag, 24. Juni 2001

Minister Scheibner: Ganz vorne, ganz allein

Vergangene Woche stand Scheibner plötzlich unter „friendly fire“: So nennt man es im Militärjargon, wenn Soldaten aus den eigenen Reihen beschossen werden. Und anders kann Scheibner die FPÖ-Ankündigung, es sei kein Geld für Abfangjäger vorhanden, kaum interpretiert haben.

Der Krieg zwischen Scheibner und dem Rest des FP-Regierungsteams brach nicht ohne Vorwarnung los: In den vergangenen Wochen hatten Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer und Finanzminister Karl-Heinz Grasser intern immer wieder ein Veto zu den Abfangjägern angekündigt – und zwar aus purem Populismus.

Immerhin brachte Riess-Passer von Dutzenden Terminen, die sie vor dem FPÖ-Reformkongreß an der Parteibasis absolvierte, eine interessante Entdeckung mit: Auch freiheitliche Parteigänger können sich nicht sonderlich für die Anschaffung neuer Militärjets erwärmen.

Das kam dem Finanzminister höchst gelegen. Nicht nur, daß er sein Nulldefizit mit Zähnen und Klauen verteidigt – Grasser ist Scheibner in herzlicher Feindschaft zugetan. Gleiches gilt umgekehrt: FPÖ-Musterknabe Scheibner nimmt es Grasser krumm, daß der zu Ministerehren kommen konnte, obwohl er der politischen Ochsentour zwischendurch einen lukrativen Job in der Privatwirtschaft vorgezogen hatte.

Beim Bundesheer fühlt sich Scheibner hingegen unter Freunden: Umso peinlicher für den Minister, vor der Truppe von der eigenen Partei im Regen stehen gelassen zu werden.

Daß Kanzler Wolfgang Schüssel und Jörg Haider schließlich ein Machtwort sprachen, schafft den Konflikt nicht aus der Welt. Grasser beharrt weiterhin darauf, daß der Kauf neuer Abfangjäger längst nicht beschlossen sei.

Das läßt die Strategen beim Heer Rachepläne schmieden. Der 32jährige Grasser war wegen Untauglichkeit nie Soldat. „Wenn er sich blöd spielt, ziehen wir ihn ein“, sinniert ein Beamter des Verteidigungsministeriums, „bis 35 ist der Herr Finanzminister nämlich wehrpflichtig.“

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24.6.2001 17:22