Freitag, 22. Juni 2001

Katastrophales ÖIAG-Bild nach außen

Als "katastrophal" bezeichnete Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) am Freitag das Bild, das die staatliche Industrieholding ÖIAG gegenwärtig in der Öffentlichkeit bietet. Indirekt stellte er heute bei einer Pressekonferenz zur Hauptversammlung (HV) dem amtierenden ÖIAG-Vorstandssprecher Johannes Ditz die Rute ins Fenster: "Jeder ist seines Glückes Schmied".

Grasser sagte, er erwarte, dass angekündigte Personalentscheidungen in Beteiligungsunternehmen durchgezogen werden. Insider werteten die Aussage dahingehend, dass Ditz' Schicksal eng damit verknüpft ist, dass er aktuell als Aufsichtsratspräsident der Austrian Airlines (AUA) am kommenden Mittwoch die angekündigte vorzeitige Ablöse des AUA-Vorstandsduos Mario Rehulka und Herbert Bammer durchbringt.

Ditz hat noch Grassers Vertrauen
Auf die Frage, ob Ditz noch das Vertrauen des Finanzministers habe, hielt Grasser fest, dass der Finanzminister den ÖIAG-Vorstand weder bestelle noch abberufe. Dem Aufsichtsrat habe er (als oberster Eigentümervertreter in der ÖIAG) heute das völlige Vertrauen ausgesprochen. "Rein finanziell und rein wirtschaftlich" sei die Leistungsbilanz der ÖIAG für ihn hervorragend. Die ÖIAG habe auch einen "hervorragenden Aufsichtsrat".

Bedauerlich sei allerdings, dass es offenbar nicht gelinge, diese hervorragende wirtschaftliche Leistungsbilanz der ÖIAG in der öffentlichen Darstellung "rüberzubringen". Es müsse der originäre Wunsch des Aufsichtsrates sein, dass das Bild passe. Er wünsche nichts anderes, als dass die öffentliche Diskussion aufhöre, sagte der Minister. "Das würde in der Privatwirtschaft nicht so ablaufen".

Ditz: Lasse mir von Grasser kein Ultimatum ausrichten
"Ich lasse mir vom Herrn Finanzminister über die Medien kein Ultimatum stellen", erklärte ÖIAG-Vorstandssprecher Johannes Ditz zur Kritik von Finanzminister Karl-Heinz Grasser (F) an seiner Vorgangsweise. Auch die Zensuren von Grasser "halte ich für entbehrlich", so Ditz.

Nächste Woche werde es darum gehen, eine einvernehmliche Lösung mit dem AUA-Vorstand zu treffen, wie das von mir angedacht" wurde, so Ditz. Er hoffe, dass hier eine Mehrheit gefunden werden könne. Jedenfalls "lehne ich wirklich eine Einmischung von der Politik ab".

22.6.2001 22:39