Mittwoch, 20. Juni 2001

Zeitungen berichten über acht Tote bei neuen Unruhen

Der algerische Präsident Abdelaziz Bouteflika lehnt trotz der andauernden Massenproteste einen Rückritt ab. Bouteflika sagte, er sei kein Kapitän, der das sinkende Schiff verlasse. Algerien stecke zwar in einer Krise, diese könne jedoch überwunden werden, betonte der Präsident.

Unterdessen berichtete die Zeitung "Liberte" am Mittwoch über weitere Unruhen in der vorwiegend von Berbern bewohnten Kabylei, bei denen acht Menschen getötet wurden. Dem Bericht zufolge schossen die Sicherheitskräfte in der Stadt Akbou mit scharfer Munition auf Demonstranten.

Die Unruhen, bei denen laut Behörden bisher etwa 60 Menschen getötet wurden, hatten im April in der 100 Kilometer östlich von Algier gelegenen Kabylei begonnen. Die dort ansässigen Berber verlangen mehr eigene Rechte und die Anerkennung ihrer Sprache Tamazight. Mittlerweile haben sich die Proteste auch auf andere Regionen ausgeweitet. Die Demonstranten fordern mehr Demokratie und eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage. Am vergangenen Donnerstag hatten etwa eine Million Menschen in Algier demonstriert.

20.6.2001 14:53