Donnerstag, 21. Juni 2001

Elektrischer Stuhl, Giftspritze, Steinigung, ...

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Wo wird die Todesstrafe angewendet? Grafik

In Japan werden sie gehängt, in China mit Nackenschüssen oder Gift getötet und in manchen moslemischen Ländern gesteinigt wie zu biblischen Zeiten: Wenn es um den Umgang mit zum Tode Verurteilten geht, sind den Hinrichtungsvarianten offenbar keine Grenzen gesetzt.

Ein Bericht des Europarats über die Lage in den USA und Japan, zwei Länder die trotz ihres demokratischen Systems an der Todesstrafe festhalten, belegt dies.

In Japan beispielsweise gibt es derzeit fünf Todeskandidaten, die seit über 20 Jahren auf ihre Hinrichtung warten. Der älteste ist heute 84 Jahre alt und sitzt seit 29 Jahren in einem Todestrakt. Die Haftbedingungen dort sind äußerst hart. Viele Todeskandidaten sind in winzigen Isolationszellen eingesperrt, wo sie sitzend ausharren müssen. Sie dürfen nur mit Erlaubnis eines Wärters aufstehen oder sich hinlegen. Manche dürfen weder lesen noch Briefe schreiben. Kontakte zur Familie sind rar oder ganz verboten. Todeskandidaten müssten sich "geistig auf das Sterben vorbereiten" und "inneren Frieden" erlangen, rechtfertigt die japanische Regierung diese Vorschriften. Grundsätzlich wird den Todeskandidaten erst 45 Minuten vor der Hinrichtung mitgeteilt, dass der Henker auf sie wartet.

Auch in den USA leben zahlreiche der derzeit über 3700 Todeskandidaten, darunter 57 Frauen, schon seit Jahren zwischen Hoffen auf Begnadigung und Bangen vor dem Sterben. Immer wieder kommt es vor, dass Hinrichtungen in letzter Minute verschoben werden - etwa wegen technischer Pannen oder juristischer Formfehler - während die Verurteilten bereits auf dem elektrischen Stuhl sitzen oder die Giftspritze angesetzt bekommen. Menschen auf diese Weise der Todesangst auszusetzen sei Folter, stellt der Europarat fest.

In den meisten der 38 US-Bundesstaaten, wo die Todestrafe noch gilt, werden die Urteile mit Giftinjektionen vollstreckt. In anderen Bundesstaaten sind Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl (der von Florida ist 74 Jahre alt), durch Henken, Giftgas oder Erschießen üblich.

Vor allem in einigen moslemischen Ländern haben grausame Methoden überlebt. So werden in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban-Milizen Ehebrecherinnen zu Tode gesteinigt und Homosexuelle lebend begraben. Im Iran musste sich kürzlich eine 35 Jahre alte Frau, die wegen Mitwirkung an einem Porno-Film verurteilt worden war, in eine Grube stellen, wo sie zu Tode gesteinigt wurde. Für Aufsehen sorgte im vergangenen Jahr in Pakistan ein Todesurteil gegen einen Mann, der hundert Kinder ermordet hatte. Er wurde öffentlich erwürgt. Die Leiche wurde anschließend in hundert Stücke zerteilt und in Salzsäure aufgelöst.

21.6.2001 16:42