Nordirland-Gipfel in London so gut wie erfolglos

Der britische Premierminister Tony Blair hat sich am Montag in die Bemühungen zur Rettung des Friedensprozesses in Nordirland eingeschaltet. Eine Annäherung der Standpunkte gelang aber nicht.
Blair empfing in London den nordirischen Regierungschef David Trimble, den Führer der der Untergrundorganisation IRA nahe stehenden Partei Sinn Fein, Gerry Adams (im Bild mit seinem Parteifreund Martin McGuinness), und den irischen Ministerpräsidenten Bertie Ahern.
Blair hat nach seinem Wahlsieg am 7. Juni Nordirland zu einem seiner Schwerpunktthemen gemacht. Zu Beginn seiner ersten Amtszeit 1998 gelang mit dem Karfreitagsabkommen ein historischer Durchbruch, am Anfang seiner zweiten droht das Scheitern: Trimble hat seinen Rücktritt für den Fall angekündigt, dass die IRA nicht bis zum 1. Juli ihre Waffen abgibt. Trimble steht seit der Unterhauswahl unter erhöhtem politischen Druck: Seine Ulster Unionists verloren vier von zehn Mandaten, die Sinn Fein wurde im katholischen Lager erstmals stärkste politische Kraft und gewann vier statt bisher zwei Mandate.
Trimble: Mit seiner Geduld am Ende
Vor der Unterredung mit Blair sagte Trimble, dass er persönlich mit seiner Geduld mit der IRA am Ende sei. "Sie haben uns Frieden versprochen - aber nicht gehalten." Adams sagte, ihm gehe es zunächst einmal darum zu erfahren, ob Blair sich voll für das Friedensabkommen einsetzen wolle. "Es geht darum zu wissen, ob Blair zu seiner Verantwortung steht", sagte er.
Ahern rief alle Konfliktparteien auf, das bisher Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen. "Wir haben eine schwierige Phase vor uns", sagte er. "Eine Lösung kann nur gefunden werden, wenn wir zusammenarbeiten."
Adams: IRA-Entwaffnung bis 1. Juli nicht möglich
Adams sagte nach seinem Gespräch mit Blair und Ahern, die von Trimble geforderte Entwaffnung bis zum 1. Juli werde es nicht geben: "Alle diese Punkte können bei gutem Willen aller Beteiligten gelöst werden. Können sie bis zum 1. Juli gelöst werden? Ich denke nicht." Trimbles Ultimatum sei "verantwortungslos" und "kontraproduktiv". Sinn Fein- Chefunterhändler Martin McGuinness sagte, ein Rücktritt Trimbles wäre ein "Verrat".
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