Montag, 18. Juni 2001

Slowakische Soldaten ersetzen Österreicher

Nach 37 Jahren verabschiedet sich das österreichische Bundesheer offiziell von seinem Blauhelm-Einsatz in Zypern. An die Stelle des 245 Mann starken österreichischen Kontingents treten slowakische Soldaten.

Oberstleutnant Günter Kienberger, der seit eineinhalb Jahren Kommandant der österreichischen Truppen in Zypern war, zog vor Journalisten ein gemischtes Resümee: Er verstehe die Standpunkte beider Bevölkerungsgruppen, der Griechen und der Türken. Bezüglich einer Annäherung in nächster Zeit ist er skeptisch.

Auch Slowakei zieht seine Soldaten ab
Die österreichischen Soldaten haben - zuletzt gemeinsam mit Ungarn und Slowenien - den östlichen Teil der Pufferzone überwacht. Die Slowenen werden ihre knapp 30 Soldaten am Montag ebenfalls abziehen, die Ungarn werden gemeinsam mit den Slowaken die Überwachung des Sektors 4 fortsetzen. Der Großteil des österreichischen Kontingents wird am Dienstag die Heimreise antreten, 50 Mann bleiben zum Teil noch bis Ende August, um das österreichische Gerät in Zypern zu inventarisieren und abzutransportieren bzw. um die neuen slowakischen Truppen bei der Übernahme des Auftrags zu instruieren und zu begleiten.

Kein leichter Einsatz
Zu tun habe es für die österreichischen Soldaten genug gegeben, im Gegensatz zu gängigen Klischees habe es sich in Zypern keinesfalls um eine "Sunshine-Mission" gehandelt, betonte Major Alexander Warnicki, Kommandant einer Kompanie. Im bisher österreichischen Sektor liegen unter anderem Pyla, der einzige Ort auf der Insel mit gemischter Bevölkerung, und Varosha, ein Stadtteil von Famagusta, in dem bis 1974 der Tourismus geblüht hat und der jetzt laut Waffenstillstandsabkommen leer stehen muss. Immer wieder gibt es auch Probleme, weil auf beiden Seiten der Pufferzone versucht wird, Stellungen zu verändern. Die Waffenstillstandslinie ist nie eindeutig markiert worden, jetzt wird um jeden Meter gestritten.

Besonders betroffen waren die Österreicher auch davon, dass seitens der türkischen Zyprioten Ende Juni vergangenen Jahres einige Verbindungen durch die Pufferzone gesperrt wurden. Auslöser war Verärgerung über eine Änderung im Text zur halbjährlich fälligen Verlängerung des Mandats der Blauhelme durch den UNO-Sicherheitsrat. Für Kienberger hieß das, dass sich der Weg vom Camp der Österreicher in Famagusta zu einer der Kompanien von 15 Minuten auf zweieinhalb Stunden verlängert hat.

Der UNO-Aufgabenbereich in Zypern
Aufgabe der UNO-Truppen in Zypern ist es, das Wiederaufflammen von Kämpfen zu verhindern und Bedingungen für eine Lösung des Zypern-Problems zu schaffen. Dieser Auftrag wird nach Einschätzung Kienberbers noch länger aktuell bleiben: "Ich bin ein sehr positiver und sehr optimistischer Mensch. Aber ich bin skeptisch, ob es in nächster Zeit zu einer Annäherung - von einer Lösung will ich gar nicht reden - kommen kann."

Die Kommandoübergabe wird am Montagabend im Camp "Duke Leopold" der Österreicher in Famagusta erfolgen. Bundespräsident Thomas Klestil und Verteidigungsminister Herbert Scheibner wollten ursprünglich an dem Festakt teilnehmen. Seitens der UNO war aber signalisiert worden, dass die Anwesenheit von Politikern - auch von slowakischer Seite - zu Problemen im Verhältnis zur türkischen Bevölkerungsgruppe führen könnte. Klestil und Scheibner werden die österreichischen Blauhelme daher am Dienstag am Flughafen Wien-Schwechat in Empfang nehmen.

18.6.2001 11:01