Montag, 18. Juni 2001

SPEZIAL: Robert Hochner

So wie der vergangene Woche verstorbene TV-Moderator Robert Hochner erkranken in Österreich jährlich 35.000 Menschen an Krebs. Ihnen bleibt nur ein schmaler Grat zwischen realistischer Überlebenschance und Unheilbarkeit.

Zunächst schien es so, als hätte er noch Glück im Unglück gehabt. „Ich bin jetzt bald mit der Behandlung fertig“, sagte Robert Hochner im Sommer 1999 in seinem letzten großen Interview, nur einige Monate nach der Diagnose Krebs.

Der charismatische ORF-Mann litt damals an Lymphdrüsenkrebs, durch die Früherkennung standen die Chancen nicht schlecht. Hochner mußte sich ein halbes Jahr lang einer Strahlentherapie unterziehen, im August 1999 war er bereits lymphomfrei. Einige Zeit schien es so, als hätte der Fernsehstar tatsächlich der tödlichen Krankheit getrotzt.

Sechs Monate später entdeckten die Ärzte ein Karzinom in einem hoch gelegenen Teil seines Mastdarms. Diesmal war der Krebs bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Hochner hatte zu diesem Zeitpunkt schon Metastasen in Lunge und Leber. An den Folgen dieser Krankheit ist der 54jährige am Dienstag der Vorwoche verstorben.

Fälle wie die des prominenten TV-Stars hinterlassen in der Bevölkerung regelmäßig ein Gefühl tiefer Verunsicherung. Wie bei kaum einer anderen Krankheit verschwimmen bei Krebs die Grenzen zwischen Unheilbarkeit und realistischen Überlebenschancen. Darmkrebs, von dem immerhin jeder 17. Österreicher betroffen ist, hätte theoretisch bei frühzeitiger Erkennung durchaus gute Heilungschancen.

Christoph Zielinski, Onkologe am Wiener AKH: „Bei neun von zehn Patienten wäre eine vollständige Heilung möglich, würde man den Tumor im Anfangsstadium erkennen. Wenn er aber schon Metastasen in Lunge und Leber gebildet hat, so wie bei Hochner, dann können auch die modernsten Medikamente keine Wunder mehr bewirken.“

Volksgeisel
Obwohl die internationale Krebsforschung gerade in letzter Zeit beachtliche Erfolge verzeichnen konnte und den Ärzten immer bessere Medikamente zur Verfügung stehen (FORMAT 24/01 „Pille gegen Krebs“), bleibt nach wie vor der Eindruck, Krebs sei eine der schlimmsten Geiseln der modernen Gesellschaft.

Laut einer Umfrage im Auftrag des Forum Gesundes Österreich haben die Österreicher vor keiner anderen Krankheit mehr Panik als vor Krebs. Zum Vergleich: 62 Prozent haben Angst vor der Diagnose Krebs, aber nur 13 Prozent geben an, sich am meisten vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu fürchten. Dabei müßte laut Sterblichkeitsstatistik die Reihenfolge ganz anders ausfallen.

In Österreich sind es jährlich 35.000 Personen, die an Krebs erkranken. Laut Statistik ist derzeit die häufigste Krebsart bei Männern das Prostatakarzinom, bei Frauen ist es der Brustkrebs. Während immer weniger Männer an Lungenkrebs erkranken, steigt die Zahl bei Frauen an. Zielinski: „Leider rauchen heute mehr Frauen als früher. Das schlägt sich in der Statistik nieder.“

Relativ konstant geblieben ist die Zahl der Neuerkrankungen bei Dick- und Enddarmkrebs. Starke Rückgänge beobachten Experten hingegen bei Magen-, Gebärmutter- und Eierstockkrebs.

Ungleiches Risiko
Männer haben etwa ein doppelt so hohes Risiko, an den Folgen eines Darmkrebses zu sterben, wie Frauen. Zu den belastenden Faktoren zählen genetische Voraussetzungen sowie das gehäufte Auftreten von – noch gutartigen – Darmpolypen. Ab dem vierzigsten Lebensjahr sollte deshalb jeder jährlich mindestens einmal einen Stuhlbluttest machen, raten Experten, ab dem fünfzigsten Lebensjahr alle fünf Jahre eine Darmspiegelung.

Innerhalb der österreichischen Landesgrenzen ist das Krebsrisiko höchst ungleich verteilt: Augenfällig ist das West-Ost-Gefälle. In den Gegenden entlang des Alpenhauptkamms und in Teilen des Mühlviertels liegt die Krebssterblichkeit um vier Prozent unter dem österreichischen Durchschnitt. In Wien hingegen ist die statistische Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu erkranken, bei Männern um fünf, bei Frauen gleich um zehn Prozent höher als im landesweiten Durchschnitt.

Für Experten wie den Wiener Sozialmediziner Michael Kunze spiegelt diese Statistik das unterschiedliche Gesundheitsbewußtsein der Österreicher wider: „Im Westen gehen die Menschen häufiger zu Vorsorgeuntersuchungen, sie ernähren sich gesünder, machen mehr Bewegung und trinken im Schnitt weniger Alkohol als im Osten.“

Lebensstil hat enormen Einfluß
Dass der persönliche Lebensstil einen enormen Einfluß auf die Krebsstatistik hat, wissen Experten schon lange. „Wir könnten das Krebsrisiko in den Industrieländern um bis zu sechzig Prozent senken, wenn die Leute gesundheitsbewußter leben würden“, meint Michael Miksche, Krebsspezialist am Institut für Tumorbiologie der Universität Wien und Präsident der Wiener Krebshilfe.

Eine der häufigsten Fragen bei Krebs betrifft die Qualität der Therapien und Krankenhäuser: Wie schneidet Österreich dabei im internationalen Vergleich ab? Sind andere Länder in der Krebsbehandlung weiter, etwa die USA? „Wir haben in Österreich in den wichtigsten Krebszentren Anschluß an die internationale Onkologie“, versichert Zielinski, „und wir setzen hier die neuesten Kombinationen von Krebsmedikamenten ein, wie sie auch in den onkologischen Hochburgen in den USA verwendet werden.“

Alles über die häufigsten Krebserkrankungen und kompetente Krebszentren in Österreich lesen Sie im neuen FORMAT.

18.6.2001 10:24