Donnerstag, 21. Juni 2001

SPEZIAL: Der "Anchorman der Nation"

Letzte Gedanken. Was Robert Hochner vor seinem Tod einem Chefredakteur des NEWS-Verlages über Österreich, die Regierung und den ORF anvertraute.

Hochner über die ÖVP-FPÖ-Regierung
Ich war und bin erschüttert darüber, dass eine Partei wie die FPÖ, die sich nach wie vor nicht von der schrecklichen Zeit des Nationalsozialismus distanziert, nun in der Regierung sitzt. Die Sager und Statements vieler FPÖ-Politiker, die in reinem Nazi-Jargon gehalten sind, würden diese in jedem zivilisierten Staat zu einem sofortigen Rücktritt zwingen – nur in Österreich nicht. Das schmerzt mich sehr.

Hochner über FP-Klubchef Peter Westenthaler
Westenthaler interveniert die ganze Zeit unter bewusstem Bruch des Rundfunkgesetzes. Was er macht, hat es seit der Gleichschaltung 1938 nicht mehr gegeben. Weder vom Inhalt her noch vom Stil. Wenn er etwa sagt, die Trotteln vom ORF können sich die 600 Millionen Schilling (Gebühren, die dem ORF von der Regierung rückerstattet werden sollten; Anm.) in die Haare schmieren, zeigt das doch, wohin es geht. Nicht nur in diesem Punkt lügt die Regierung den Österreichern die Hucke voll, dass es nur so rauscht.

Hochner über Bundeskanzler Wolfgang Schüssel
Dass Wolfgang Schüssel aus reinem Machtkalkül, um endlich Bundeskanzler werden zu können, eine Partei wie die FPÖ in die Regierung geholt hat, ist für mich unverzeihlich. Mir tut es jedenfalls leid, dass ich in so einer Zeit nicht journalistisch arbeiten kann.

Hochner über Zivilcourage und Mut in Österreich
Was mich am meisten enttäuscht, ist die fehlende Zivilcourage in diesem Land. Es gibt so wenige, die den Mut haben, sich eine eigene Meinung zu leisten und diese auch zu vertreten. Menschen, die auch bereit sind, für ihre Überzeugung persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen.

Hochner über seine Krebserkrankung
Sie wissen, dass ich nur ungern über meine Krankheit spreche. Ich habe vor vier Jahren öffentlich über meine Depressionen gesprochen, weil ich anderen Betroffenen Mut machen wollte und gezeigt habe, dass Depressionen eine Krankheit sind wie viele andere auch. Und nichts, für das man sich genieren müsste. Aber als ich merkte, dass ich zu einer Art Handlungsreisenden in Sachen Depression wurde, habe ich diesen Schritt manchmal bereut. Über mein Krebsleiden will ich nicht öffentlich sprechen, weil ich darin keinen Sinn sehe. Denn wem könnte ich helfen? Niemandem! Ich würde nur erneut zu einem Handlungsreisenden werden – diesmal in Sachen Krebs.

Lesen Sie mehr von Robert Hochners letzten Gedanken im aktuellen NEWS.

21.6.2001 11:49