Sonntag, 17. Juni 2001

Boeing droht Europa mit Handelskrieg

Am Beginn der Luftfahrtschau in Paris haben sich die großen Konkurrenten Boeing und Airbus einen Schlagabtausch geliefert. Der amerikanische Konzern Boeing beschuldigte Airbus am internationalen Markt unfair zu agieren.

Der US-Konzern warf den Europäern auf der am Wochenende eröffneten größten Fachmesse der Welt vor, den Wettbewerb um die Vormachtstellung auf dem Weltmarkt mit unfairen Mitteln zu führen. Airbus-Chef Noel Forgeard wies die Attacken am Sonntag empört zurück. Hintergrund ist die geplante Fusion des US-Riesen General Electric (GE) mit dem US-Elektronikkonzerns Honeywell, einem bedeutenden Zulieferer der Flugzeughersteller.

Boeing-Vize Harry Stonecipher beschuldigte Airbus, hinter den Kulissen bei der EU-Kommission gegen diese Übernahme zu agieren. Auf der bis zum 24. Juni dauernden prestigeträchtigen Fachmesse konkurrieren die beiden Unternehmen bei sinkender Nachfrage um Milliardenaufträge.

Airbus habe keine Einwände gegen ein Zusammengehen von GE/Honeywell und habe dies auch bei der Europäischen Kommission deutlich gemacht, sagte Forgeard. Die politischen Äußerungen Stoneciphers hätten ihn "extrem schockiert". Auch der Co-Chef der Airbus-Muttergesellschaft EADS, Rainer Hertrich, sagte, sein Unternehmen habe die Fusion GE/Honeywell von Anfang an unterstützt.

Stonecipher sagte in einem Interview der Tageszeitung "Le Monde", nicht die Fluggesellschaften, sondern Airbus sei gegen die Fusion. Dabei drohte er indirekt mit einem Handelskrieg, sollte Europa das Projekt verhindern. GE will Honeywell für 45 Mrd. Dollar (715 Mrd.S/52 Mrd. Euro) übernehmen und braucht dafür die Zustimmung der EU-Kommission. US-Präsident George W. Bush hatte sich bei seinem Besuch in Warschau besorgt darüber geäußert, dass die EU die Fusion ablehnen wolle. Die Entscheidung der Kommission soll spätestens am 12. Juli fallen.

17.6.2001 17:35