FORMAT: Gläubigern im Insolvenzfall "Totalverlust"

Deutlich höher als bisher eingeschätzt - nämlich 3,8 statt der bisher etwa 3 Mrd. S - sind die Gesamtverbindlichkeiten des schwer angeschlagenen Handelskonzerns Libro. Das berichtet das Nachrichtenmagazin "Format" in seiner aktuellen Ausgabe.
Ein Szenario des Unternehmensberaters Roland Berger rechne mit einer Konkursquote von nur fünf Prozent.
Laut dem von "Format" zitierten Gutachten geht Roland Berger per Ende Februar von Gesamtverbindlichkeiten von etwa 3,8 Mrd. S (276 Mill. Euro) aus - bisher war in der Öffentlichkeit mit etwa 2,3 Mrd. S Bankverbindlichkeiten und 700 Mill. S Lieferantenschulden gerechnet worden. Angesichts der bis Ende Mai weiter aufgelaufenen Verluste sei für heuer ein Jahresverlust von 450 Mill. S "wahrscheinlich", schreibt das Magazin unter Berufung auf das Papier.
Ein in dem Gutachten enthaltenes Konkursszenario sieht 200 Mill. S Aktiva und 4,2 Mrd. S Passiva, was den Gläubigern eine Quote von lediglich fünf Prozent bringen würde. In einem vor drei Wochen bekannt gewordenen Szenario hatte Roland Berger noch mit einer Quote von 15 Prozent gerechnet. "Der Konkurs wird für alle Beteiligten wahrscheinlich weitgehend zum Totalverlust führen", heißt es in dem Gutachten. Für einen Ausgleich (40 Prozent) wäre die Zufuhr von 2 Mrd. S Cash nötig.
WAZ steigt aus Libro-Tochter Lion.cc aus
Unterdessen hat sich der WAZ-Konzern nach einem Bericht des "profil" zum "Ausstieg" aus der Libro-Tochter Lion.cc entschlossen. Nach einer Aufsichtsratssitzung vom vergangenen Donnerstag ziehe die WAZ "ihren" Vorstand Reinhard Werbeck ab, Lion-Finanzchef Johann Zwiletitsch müsse gehen. In welcher Form dieser "Ausstieg" genau erfolgen soll, geht nicht aus dem Bericht hervor. Jedenfalls erspare sich die WAZ damit die Zufuhr von 270 Mill. S Cash sowie 500 Mill. S an Werbeleistungen, schreibt das Magazin, an dem der nordrhein-westfälische Zeitungskonzern übrigens indirekt beteiligt ist. Die bisher eingeschossenen 230 Mill. S müsse die WAZ freilich abschreiben.
Dem von der WAZ nur indirekt bestätigten Rückzug war laut "profil" ein Brief von WAZ-Anwälten an Vorstand und Aufsichtsrat von Lion.cc vorausgegangen, in dem mit einer Haftungsklage gedroht worden sein soll. Der Hauptvorwurf: Verschiebung von Erlösen aus dem Verkauf von Lion-Anteilen in die Muttergesellschaft Libro. Außerdem sei Lion eine Mithaftung für ein großes Libro-Darlehen eingegangen, über das Miteigentümer WAZ nicht informiert worden sei.
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