Donnerstag, 14. Juni 2001

Hoffnungen auf niedrigere Zinsen gedämpft

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wie erwartet ihre Wachstumsprojektionen für die Euro-Zone gesenkt. Die EZB bezifferte das erwartete reale Wachstum 2001 mit nur noch 2,2 bis 2,8 Prozent. Im Dezember hatte die Notenbank noch mit 2,6 bis 3,6 Prozent für dieses Jahr gerechnet.

Die Spanne für das 2002 erwartete Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) nahm die EZB auf 2,1 bis 3,1 Prozent zurück nach im Dezember geschätzten 2,5 bis 3,5 Prozent.

Bei der Inflationsrate rechnet die Zentralbank für dieses Jahr mit einer Spanne von 2,3 bis 2,7 (1,8 bis 2,8) Prozent und 1,2 bis 2,4 (1,3 bis 2,5) Prozent 2002.

Die EZB hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, ihre Projektionen sind keine klassischen Prognosen, da sie unter der Annahme konstanter Zinsen und Wechselkurse erstellt werden. Diese Größen ändern sich in der Realität aber ständig. Volkswirte hatten bereits bei der erstmaligen Veröffentlichung der EZB-Schätzungen im Dezember vergangenen Jahres kritisiert, der Aussagegehalt der Projektionen ist wegen der vergleichsweise breiten Spannen eingeschränkt.

EZB-Chef Wim Duisenberg hatte in der vergangenen Woche bekräftigt, er erwartet in diesem und im nächsten Jahr ein Wirtschaftswachstum am oberen Ende von 2,0 bis 2,5 Prozent. Nach Worten von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing liegt das von der EZB erwartete Wachstum 2001 dagegen "im Bereich des Potenzialwachstums von 2,0 bis 2,5 Prozent". Im vergangenen Jahr hatte die Wirtschaft in der Euro-Zone noch um 3,4 Prozent zugelegt.

In ihrem Monatsbericht schreibt die EZB, dass die Inflation noch einige Monate ansteigen wird, bevor in der zweiten Jahreshälfte eine Beruhigung des Preisauftriebs zu erwarten ist. Es ist damit zu rechnen, dass im nächsten Jahr die Jahresteuerung in der Euro-Zone wieder unter die Toleranzgrenze für Preisstabilität von 2,0 Prozent fallen wird, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten EZB-Monatsbericht Juni.

Mit Blick auf die künftige Inflationsentwicklung muss insbesondere die Lohnentwicklung genau beobachtet werden. "Der Lohnzurückhaltung kommt bei der Eindämmung des Inflationsdrucks in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle zu."

Im April war die Jahresteuerung in der Euro-Zone auf 2,9 (März 2,6) Prozent gestiegen.

14.6.2001 16:30