Donnerstag, 14. Juni 2001

Zahl der Pleiten im Mai auf Jahreshöchststand

Japans Wirtschaft ist auf dem Weg in die Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt schwächt sich "noch rascher ab als erwartet", so der japanische Finanzminister Masajuro Shiokawa. Hunderttausende werden infolge der geplanten Strukturreformen ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie sollen nun wieder die Schulbank drücken.

Die Abgeordneten hatten von dem Minister Auskunft zum japanischen BIP verlangt, das im ersten Quartal des Jahres um 0,2 Prozent geschrumpft ist.

Die Zahlen für das zweite Quartal würden seiner Einschätzung nach noch schlechter ausfallen, sagte Shiokawa. Damit dürfte Japans Wirtschaft die Voraussetzungen für eine Rezession erfüllen; diese wird als Rückgang des BIP in zwei aufeinander folgenden Vierteljahren definiert.

Unterdessen kletterte die Zahl der Firmenpleiten in Japan im Mai auf den höchsten Stand des Jahres. Nach Angaben des Wirtschaftsforschungsinstitutes Teikoku Databank brachen im vergangenen Monat 1.724 Unternehmen zusammen. Dies entsprach einem Anstieg von 12,8 Prozent seit Mai 2000 und 5,7 Prozent seit April 2001.

Durch die Rezession bedingt seien 1.326 Pleiten und damit die zweithöchste jemals festgestellte Zahl, betonte die Teikoku Databank. Die Summe der nach den Zusammenbrüchen offenen Verbindlichkeiten ging auf 1,02 Bill. Yen (9,8 Mrd. Euro/13,46 Mrd. S) zurück. Damit lag diese Zahl um 2,5 Prozent unter dem Stand des Vormonates und um 39,1 Prozent unter dem vom Mai 2000.

Wege aus der Krise: Arbeitnehmer sollen wieder zur Schule
Nun sollen möglicherweise Hunderttausende von Arbeitnehmern wieder die Schulbank drücken müssen. Da sie im Zuge der geplanten Strukturreformen ihren Arbeitsplatz verlieren oder wechseln müssen, sollten die Universitäten auf Empfehlung eines Beratergremiums der Regierung über die nächsten fünf Jahre rund eine Million Menschen aufnehmen. Wie die Finanzzeitung "Nihon Keizai Shimbun" (Donnerstag) weiter berichtete, rechnet Wirtschaftsminister Heizo Takenaka damit, dass zehntausende oder hunderttausende Menschen ihren Job verlieren, sobald die Banken mit der Abschreibung ihrer Problemkredite beginnen.

Durch eine solche Weiterbildungsoffensive könnten die Betroffenen auf die Anforderungen neuer Arbeitsplätze vorbereitet werden. In dem Zwischenbericht empfahl das Beratergremium von Regierungschef Junichiro Koizumi ferner, an den Universitäten und Colleges des Landes Online-Fernunterricht mit Hilfe von Satellitenübertragungen zu ermöglichen, bei denen auch Abschlüsse erzielt werden können.

Desweiteren sollten Einsatzmöglichkeiten von Zeitarbeitskräften gesetzlich ausgeweitet werden. Der Vorsitzende des Wirtschaftsdachverbands Keidanren, Takashi Imai, bekräftigte unterdessen seine Unterstützung für die Reformpläne der Regierung.

Die Industrie des Landes ist bereit, sich zu Gunsten der Umsetzung wirtschaftlicher Strukturreformen zwei oder drei Jahre lang auf niedriges Wirtschaftswachstum einzustellen, wurde der Chef des einflussreichen Wirtschaftsverbandes nach einem Treffen mit Beamten des Finanzministeriums zitiert.

14.6.2001 11:14