Mittwoch, 13. Juni 2001

Piloten sind international gut organsisiert

Weltweit planen derzeit Piloten mehrerer Fluggesellschaften den Ausstand für mehr Gehalt. Die Lufthansa-Piloten haben sich bereits höhere Einkommen erstritten. Piloten der spanischen Fluggesellschaft Iberia wollen in den Monaten Juni, Juli und August die Arbeit niederlegen und auch die Tyrolean-Angestellten stellen Streik in Aussicht.

In Österreich wollen Piloten und Bordpersonal bei Tyrolean und Lauda - beides Töchter der teilstaatlichen Austrian Airlines - ab Juli für mehr Lohn sowie eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen die Arbeit niederlegen. Die französischen Piloten haben inzwischen ihre Streiks schon hinter sich. Im Tausch gegen moderate Gehaltssteigerungen erhielten sie unter anderem die Möglichkeit von Aktienoptionen. Dagegen sitzen die Piloten der Scandinavian Airlines (SAS) noch an einem Tisch mit ihrem Arbeitgeber. Nach Angaben eines SAS-Sprechers verliefen die Tarif- Gespräche bislang "ruhig und gesammelt".

"Ich gehe davon aus, dass die Piloten anderer Airlines nachziehen werden - nicht nur in Europa", sagte Karl-Heinz Neumeister, Generalsekretär der Association of European Airlines (AEA).

Lufthansa-Streik war erfolgreich
Bei der Lufthansa hatten die Piloten nach monatelangem Tarifstreit deutliche Einkommenserhöhungen von allein in diesem Jahr 28 Prozent erreicht. Bei den Forderungen seien die Piloten von ihren ausländischen Kollegen unterstützt worden, sagte Neumeister. Piloten seien weltweit gut organisiert und verglichen regelmäßig ihre Einkommen. "Das ist ja schon wie ein internationales Kartell."

Streik in Korea
In Korea blieben Anfang der Woche Hunderte von Piloten der größten Fluggesellschaft Korean Air dem Cockpit fern. Sie fordern höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen. Schon seit dem 26. März streiken 1.350 Piloten der US-Regionalfluggesellschaft Comair, einer Tochter der Delta Air Lines. Sie werden - wie die Piloten anderer US-Regionalfluglinien auch - deutlich schlechter bezahlt als Piloten der großen Fluggesellschaften und wollen die Einkommenslücke verringern.

Das Angebot der Fluggesellschaft von 38 Prozent bis 45 Prozent Gehaltserhöhungen lehnten die Piloten jedoch ab. Ein Comair-Pilot mit achtjähriger Erfahrung hatte im Rahmen des alten Tarifvertrags 58.360 Dollar pro Jahr verdient. Bei Delta Air Lines hatten unterdessen die 9.800 Piloten Anfang Mai einen neuen fünfjährigen Tarifvertrag akzeptiert, der ihnen bis Mai 2005 Gehaltserhöhungen von 24 Prozent bis 39 Prozent bringt.

In Indien sind die Piloten zufrieden
Zufrieden mit ihrem Einkommen scheinen hingegen die Piloten in Indien. Nach Angaben der Indian Pilots' Guild (IPG), in der sich 420 Piloten der staatlichen Fluglinie Air India (AI) zusammengeschlossen haben, verdient ein Pilot nach 25 Dienstjahren jährlich maximal 4,5 Millionen Rupien (113.100 Euro/1,56 Mill. S) brutto. Ein Anfänger bringt es auf ein Drittel dieser Summe.

Die Piloten seien damit zufrieden, sagte ein IPG-Sprecher, weil sie damit über dem Einkommen in den Nachbarländern Pakistan und Bangladesch lägen - allerdings unter dem in Singapur und Malaysia. Streiks für höhere Einkommen stehen auf dem Subkontinent nicht an. Da AI privatisiert werden soll, wären die Piloten schon froh, wenn sie ihre Arbeitsplätze und Einkommen nicht verlieren.

13.6.2001 16:21