Montag, 11. Juni 2001

Anwalt: Völlig unverständlich

Im Zusammenhang mit der Insolvenz der Firmengruppe Steiner hat das Landesgericht Wels jetzt offiziell bestätigt, dass auch gegen Brigitte Steiner, die Ehefrau des früheren Chefs Leopold Steiner, ein Haftbefehl erlassen worden ist. Grund sei Fluchtgefahr. Der Anwalt von Brigitte Steiner bezeichnet den Haftbefehl als "völlig unverständlich".

Leopold Steiner und seine Gattin halten sich, so weit bekannt ist, im Ausland auf. Gegen Leopold Steiner besteht ein internationaler Haftbefehl wegen des Verdachts der betrügerischen Krida, der Untreue und des schweren Betruges. Leopold Steiner - für den ebenso wie für seine Frau die Unschuldsvermutung gilt - ließ über seinen Anwalt Wolfgang Moringer mitteilen, dass er sich keiner Schuld bewusst sei. Moringer hat im Namen seines Mandanten beim Justizministerium um freies Geleit angesucht, eine Entscheidung darüber liegt noch nicht vor.

Der Rechtsanwalt Otto Urban - er ist Vorstand einer "Brigitte-Steiner-Stiftung" - wies die Vorwürfe gegen Frau Steiner entschieden zurück. Diese habe mit der Insolvenz und allen damit zusammenhängen Sachverhalten nicht das Geringste zu tun. Brigitte Steiner habe nachweislich "nur eine einzige Unterschrift geleistet, nämlich als sie im Juni 1999 ihre Firmenanteile in die Brigitte-Steiner-Stiftung einbrachte", so Urban. Die Stiftung habe in der Folge die Aktien an den heutigen Steiner-Mehrheitseigentümer, die englische Gruppe Duke Street Capital, verkauft. In den entsprechenden Verträgen sei auch festgehalten, dass gegenüber Brigitte Steiner keinerlei Haftungsansprüche bestehen, sagte Urban.

In Untersuchungshaft befinden sich im Zusammenhang mit der Insolvenz der Firmengruppe Steiner sowohl der bis Februar 2001 tätige Junior-Chef Alfred Steiner als auch zwei führende Ex-Mitarbeiter. Auch für sie gilt die Unschuldsvermutung.

Die Verbindlichkeiten der Firmengruppe Steiner mit Zentrale in Ebensee in Oberösterreich sollen sich laut bisher vorliegenden Erkenntnissen auf 4 Mrd. S (291 Mill. Euro) belaufen, die Überschuldung soll 1,5 Mrd. S betragen. Zwei Firmen der Gruppe haben Konkurs angemeldet, zwei weitere den Ausgleich.

11.6.2001 10:42