Analysten hatten 0,2 %Zuwachs prognostiziert

Entgegen den Erwartungen ist die japanische Wirtschaftsleistung im ersten Quartal dieses Jahres gesunken. Wie die Regierung mitteilte, fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, nachdem im letzten Quartal des Vorjahres noch ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent verzeichnet werden konnte.
Analysten hatten im Durchschnitt für das erste Quartal 2001, das in Japan dem Schlussquartal des Fiskaljahres 2000/01 entspricht, einen BIP-Zuwachs von 0,2 Prozent erwartet. Das annualisierte Wirtschaftswachstum fiel damit auf minus 0,8 Prozent nach einer Rate von 3,0 Prozent im Vorquartal.
Begründet wurden die enttäuschenden Zahlen vor allem mit der schwachen Entwicklung der Investitionen und der Exporte. So verringerten sich die privaten Investitionen um ein Prozent gegenüber dem Vorquartal nach plus 6,7 Prozent im vierten Quartal 2000. Vor dem Hintergrund der an Fahrt verlierenden Weltkonjunktur sanken die Exporte um 3,6 (viertes Quartal 2000: plus 0,8) Prozent. Die Importe fielen um 2,2 (plus 5,1) Prozent. Vom privaten Konsum gingen dagegen in den ersten drei Monaten dieses Jahres keine kontraktiven Impulse mehr aus. Diese BIP-Komponente zeigte sich gegenüber dem Vorquartal unverändert (minus 0,6 Prozent).
Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi sagte nach der Veröffentlichung der BIP-Daten, die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal sei ein weiterer Grund für die Fortsetzung der geplanten Reformen. Wichtig sei es jetzt für Japan, den Blick mittel- und langfristig auszurichten. Experten erwarten allerdings, dass die Reformen, die u.a. die Kreditportfolios der Banken bereinigen und die Staatsausgaben zurückführen sollen, zunächst einmal weiter Wachstums dämpfend wirken werden. Vor diesem Hintergrund wird auch bereits für das laufende zweite Quartal eine schwache BIP-Entwicklung vorhergesehen. In der zweite Jahreshälfte könnten jedoch von einer Konjunkturerholung in den USA und der übrigen Welt positive Impulse für Japan ausgehen, heißt es.
Nach Ausweis eines negativen Wirtschaftswachstums verweisen Analysten darauf, dass die japanische Wirtschaft erneut in einen Rezessions-Zyklus eingetreten ist. Einige Beobachter sagten, nach dem schwachen ersten Quartal dürfte auch in den beiden kommenden Quartalen von einer weiteren Eintrübung der Konjunktur ausgegangen werden.
Einige Experten erwarten nun einen wachsenden Druck auf die Bank of Japan (BoJ) zu weiteren expansiven geldpolitischen Maßnahmen. Am wahrscheinlichsten sei dabei, dass die BoJ durch den Ankauf staatlicher Wertpapiere zusätzliche Liquidität schafft, um der deflationären Spirale verstärkt entgegen zu wirken. Andere Beobachter empfehlen zudem, durch Devisenmarktinterventionen den Kurs des Yen nachhhaltig zu schwächen, um so den Export zu stärken und inflationäre Tendenzen auszulösen. Die hierdurch für einige andere asiatischen Staaten kurzfristig entstehenden Probleme sollten mittelfristig durch eine stärkere japanische Wirtschaft wieder wettgemacht werden, glauben die Experten.
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