Samstag, 16. Juni 2001

Titelverteidiger Wolfgang Fasching passt heuer

Wolfgang Fasching (Bild links), im Vorjahr zum zweiten Mal nach 1997 Sieger, außerdem zwei Mal Zweiter (1998, 1999) und ein Mal Dritter (1996) passte heuer. Doch für den Steirer springen beim härtesten und längsten Radrennen der Welt, dem "Race across America", zwei gebürtige Tirolerinnen in die Bresche.

Angelika Castaneda und ihre Zwillingsschwester Barbara Warren (kl. Bild), die seit vielen Jahren in San Diego leben, begeben sich am Sonntag in Portland auf die extreme, fast 5.000 Kilometer lange Reise quer durch die Staaten nach Pensacola in Florida.

Angelika und Barbara: Die ältesten Teilnehmerinnen
Dass sie mit 58 Jahren die ältesten weiblichen Teilnehmer sind, sei bewundernd bemerkt. Denn die Strapazen, denen sie sich aussetzen, sind enorm. In weniger als elf Tagen sollen die elf Bundesstaaten, drei Zeitzonen mit Temperaturschwankungen bis zu 60 Grad, an die 30.000 Höhenmeter, die Rocky Mountains, der windige Mittlere Westen und die feucht-heißen Südstaaten "gepackt" werden. Gefahren wird Non-Stop mit Schlafpausen von zwei, drei Stunden in der Nacht.

Das "Twin-Team" Barbara und Angelika hat sich allerdings auch intensiv vorbereitet. Mit acht Stunden am Tag auf dem Rad in der kalifornischen Wüste (bei 40 Grad), mit Laufen, Gewichtheben, Schwimmen. "Das wird schwerer als alles, was wir bisher gemacht haben", sind die Beiden überzeugt, obwohl sie seit ihrem 40. Lebensjahr an professionellen Ausdauer-Wettkämpfen teilnehmen. Seither haben die Tirolerinnen unzählige Weltrekorde gebrochen, etwas beim Ironman Triathlon in Hawaii, den "Extreme Games" und dem legendären Wüstenrennen im Tal des Todes.

Wer schafft eine Million Liegestütze in Folge?
Doch das "Race Across America", das 1982 zum ersten Mal von 4 Extremradlern gefahren wurde und beim heuer 20. Mal von rund 50 Aktiven in Angriff genommen wird, ist härter. "Wir werden täglich 10.000 Kalorien verbrauchen", sagt die Psychologin Barbara Warren. "Es ist so, als würden wir 56 Marathons laufen, 18 mal durch den Ärmelkanal schwimmen, oder eine Million Liegestütze nacheinander machen." Aber auch wenn sie ihr Alter zu spüren beginnt, will sie sich und anderen beweisen, "dass man viel mehr aus sich herausholen kann, als die meisten Menschen für möglich halten".

Am meisten fürchtet sie die Nächte, "wenn man die Straße nicht mehr sieht und zu halluzinieren beginnt". Oder die hohen Pässe in den Rocky Mountains, wo es schneien könnte, und die Windstürme, die das Tempo von gewöhnlich 20 Kilometern pro Stunde auf 3 km/h drosseln. Barbara und Angelika gehen als Doppelteam an den Start. Sie werden abwechselnd im 2-5 Stunden-Takt fahren.

Fast 20 Jahre, dennoch nur 100 Sportler im Ziel
Seit 1982 haben bisher nur rund 100 Extremsportler das Ziel in der vorgeschriebenen Zeit erreicht. Den Streckenrekord hält der Amerikaner Rob Kish mit 8 Tagen, 3 Stunden und 11 Minuten. Fasching benötigte vor einem Jahr 8 Tage, 10 Stunden und 19 Minuten, war damit um rund einen Tag schneller als der Zweitplatzierte. Ist der Erste im Ziel, dann müssen die anderen in den folgenden 48 Stunden ankommen, sonst droht die Disqualifikation. Mit Ausnahme von Fasching hat sich bisher nur sein Landsmann Franz Spilauer (1988) als Nicht-Amerikaner in die Siegerliste eingetragen.

16.6.2001 18:37