FIFA-Chef Blatter: "Komfortable Finanzen"

Der Fußball-Weltverband FIFA hat durch die ISL-Pleite Marketing-Verluste in Höhe von 51 Millionen Schweizer Franken (33,4 Mill. Euro/459 Mill. S) erlitten. Diese Summe nannte FIFA-Präsident Sepp Blatter. Blatter gab zugleich bekannt, dass sich die FIFA trotz der Verluste in einer "komfortablen finanziellen Situation" befindet.
Die gezielte Attacke des Europäischen Fußball-Verbandes (UEFA) gegen FIFA-Präsident Blatter hat sich zunächst als Sturm im Wasserglas entpuppt. Trotz eines durch die ISL-Pleite entstandenen Marketing-Verlustes und einer Reihe von ausstehenden Antworten auf den Fragenkatalog von UEFA-Präsident Lennart Johansson ging der 65-jährige Schweizer gestärkt aus der außerordentlichen Exekutiv-Sitzung in Zürich hervor.
"Es gab überhaupt kein Misstrauensvotum. Ich bin optimistisch, denn mein Gefühl sagt mir, dass auf dem FIFA-Kongress ein besseres Verständnis da sein wird", erklärte Blatter nach dem fünfstündigen Treffen der Exekutive, an der Johansson aus gesundheitlichen Gründen nicht teilgenommen hatte. Die finanzielle Situation der FIFA sei trotz des Finanzlochs umgerechnet 459 Mio. S "komfortabel", betonte Blatter.
Für die WM-Endrunde 2006 in Deutschland geht die FIFA im Marketing-Bereich von einem Gewinn von 276 Mio. Schweizer Franken (2,49 Mrd. S/181 Mio. Euro) aus. Das bestehende Minus will der FIFA-Boss bis zur WM 2002 in Südkorea und Japan ausgleichen. Mit dieser Ankündigung eröffnete er geschickt den Wahlkampf für die im kommenden Jahr anstehenden Präsidiums-Wahlen. "Ich habe mir das Ziel gesetzt, die Summe bis zum FIFA-Kongress in Seoul auf Null zu reduzieren oder sogar schwarze Zahlen zu schreiben", kündigte Blatter an.
Mit den Unternehmen NTT und Fuji Xerox für die WM 2002 sowie Toshiba und Avaja für die WM 2002 und 2006 hat die neu gegründete FIFA-Marketing AG bereits vier neue Sponsoren akquiriert. "Wir sehen keine Notwendigkeit, mit einer großen Marketing-Agentur zusammen zu gehen", meinte Blatter. Trotz der nicht dramatischen Lage erteilte der Schweizer dem Wunsch des in finanziellen Nöten befindlichen Organisationskomitees der WM 2002 nach einer Vorauszahlung von jeweils 100 Mio. Dollar (1,61 Mrd. S/117,1 Mio. Euro) eine Absage. "Das Geld wird wie vereinbart nach Ende der WM gezahlt", so Blatter.
Obwohl der FIFA-Chef aus der Auseinandersetzung mit der UEFA zunächst als Punktsieger hervor ging, darf er sich noch lange nicht in Sicherheit wiegen. "Es ist ein Image-Schaden für die FIFA, dass der UEFA-Brief öffentlich gemacht wurde", kritisierte Blatter. "Ich möchte keinen persönlich angreifen, aber irgendwo gab es eine Panne."
Er werde diesen Stil nicht pflegen und Johansson seine Antworten bei einem persönlichen Treffen oder schriftlich per Kurier übermitteln. "Es ist unüblich, dass man einen Präsidenten eines Weltverbandes mit Fragen beschäftigt, die zur Hälfte durch Dokumente beantwortet werden, die den Exekutivmitgliedern zwischen dem 14. März und 28. Mai zugestellt wurden", landete Blatter einen verbalen Seitenhieb gegen den Schweden.
Die UEFA betrachtet die Angelegenheit indes noch nicht als ausreichend geklärt. "Wir warten die schriftliche Antwort des Präsidenten ab, bevor wir uns ein abschließendes Urteil bilden und über weitere Schritte entscheiden", kündigte UEFA-Generalsekretär Gerhard Aigner an. Das Klima zwischen UEFA und FIFA ist auf jeden Fall rauer geworden, auch wenn Blatter appellierte: "Wir müssen keine Freunde sein, aber Kameraden, die das gleiche Ziel verfolgen." Der Einladung des FIFA-Präsidenten zum Essen waren Europas Fußball-Vertreter am Dienstagabend demonstrativ fern geblieben.
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