Dienstag, 12. Juni 2001

Wettkampfstopp in Italien gefordert

Nur zwei der zwanzig am 84. Giro d'Italia beteiligten Teams sind "sauber". Das meldete am Dienstag das italienische Fernsehen unter Berufung auf die ermittelnde Staatsanwaltschaft, die am vergangenen Donnerstag in San Remo die größte Doping-Razzia in der Geschichte des Radsport eingeleitet hatte.

Gianni Petrucci, der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Italiens (Coni), bat unterdessen den Radsport-Verband des Landes um einen generellen Wettkampf-Stopp gebeten, bis ein Ethik-Kodex zur Doping-Problematik verabschiedet sei. Der Dachverband wird an diesem Mittwoch entscheiden, ob der Bitte entsprochen wird. Die vorgeschlagene Zwangspause, gegen die sich beim "Krisengipfel" in Rom, an dem auch Marco Pantani, Mario Cipollini, Giro-Sieger Gilberto Simoni, Stefano Zanini und Olympia-Siegerin Antonio Bellutti teilnahmen, heftiger Widerstand regte, solle allen Radsportlern von den Jugendklassen über den Amateursport bis hin zu den Profis die Möglichkeit geben, über das Dopingproblem nachzudenken. Dieses Thema, das den Giro erschütterte und den gesamten Radsport in seinen Strudel zog, wurde am Dienstag auch in anderen Ländern wieder zum großen Thema.

Hamburger wehrt sich
Der vor zwei Monaten in Belgien des EPO-Dopings überführte dänische Radprofi Bo Hamburger unterstellte dem Weltverband UCI, in seinem Fall ein falsches Analyse-Ergebnis veröffentlicht zu haben. Seine B-Probe sei negativ und nicht wie veröffentlicht positiv gewesen. Sein Anwalt hätte ein entsprechendes Dokument unterschrieben, hieß es in der dänischen Zeitung "Politiken". Bei der Dauphine-Libere-Rundfahrt in Frankreich waren am Dienstag an 30 Fahren aus fünf Mannschaften Blutkontrollen vorgenommen worden, die alle keine Unregelmäßigkeiten zeigten.

Ermittlungen gegen 50 Fahrer
Die Zahl der Personen, gegen die nach der größten Razzia in der Geschichte des Radsports wegen Verstoßes gegen das Dopinggesetz ermittelt wird, steigt in Italien stetig. Nach Angaben des italienischen Fernsehens wird in Florenz bereits "gegen über 50 Personen" ermittelt. Nach Angaben der Zeitung "La Repubblica" wird der mit dem nicht zugelassenen Blut-Dopingmittel "Hemassist" erwischte Dario Frigo noch in dieser Woche von der Staatsanwaltschaft verhört. Frigo war von seinem Team Fassa-Bartolo entlassen und als Zweitplatzierter vom Giro zurückgezogen worden.

Gegen die fünf vom italienischen Rennstall Liquigas-Pata suspendierten Radprofis Ellis Rastelli, Sergej Gontschar (Ukraine), Denis Zanette, Marco Zanotti und Giani Faresin ermittelt die Staatsanwaltschaft in Padua. Außerdem wird gegen den zweimaligen Giro-Sieger Ivan Gotti und seine Schwiegereltern ermittelt. Im Fall einer Verurteilung drohen den Fahrern in Italien bis zu drei Jahren Haft. Betreuer und Mediziner, die Doping-Mittel beschafft oder verabreicht haben, drohen bis zu sechs Jahren Gefängnis.

12.6.2001 18:07